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Die höchste marine Grenze auf Bornholm.

Milthers, V.

Kurzfassung

In Nr. 1 der Monatsberichte dieser Zeitschrift für 1911 hat Herr Hauptmann W. Kranz einen Aufsatz ,Hohe Strandlinien auf Bornholm" veröffentlicht, den ich seiner Irrtümer und der angesehenen Zeitschrift wegen, in der er publiziert worden ist, nicht unwidersprochen lassen darf. Forchhammer hat ausgesprochen, daß das Meer längs der Nordostküste Bornholms einmal einen 12-13 m höheren Stand gehabt hat als jetzt, und Munthe hat näher nachgewiesen, daß das vormalige Meer hier jedenfalls 17 m über dem jetzigen Meeresniveau gestanden hat, und daß die marine Grenze sich allmählich nach Süden und Südwesten senkt. Herr Kranz referiert dieses; durch einige Beobachtungen im vergangenen Sommer ist er indes zu dem erstaunlichen Ergebnis gekommen, ,daß die Zahlenangaben nach Forchhammer und Munthe für mindestens drei Viertel der Nordküste falsch sind", und zwar ,viel zu hoch". Er gibt nach eigenen Beobachtungen die folgenden Höhen für die marine Grenze an: Allinge - Strandterrasse 6 m, Sandkaas-Tejn - Strandterrasse 6-7 m, Tejn-Kaasen - Strandterrasse 10 m, Südöstlich von Gudhjem - Strandterrasse 9 m, Melsted-Saltuna - Strandterrasse 10 m, Randklöve Skaar nordwestl. v. Svanike - plattige Felsoberflächen 10 m, Bavnodde nordwestl. v. Arnager - Strandsand 12 m, Sorthat Kulvärk - Strandsand 9 m, Heidefläche südl. v. Hasle - Strandsand 10 m, Strandterrasse nördl. v. Hasle - Strandsand 14 m. Es wird jedem Geologen, der einige Kenntnis von der Gestalt der Strandmarken an der nordöstlichen Granitküste Bornholms besitzt, sofort auffallen, daß Herr Kranz die höchste marine Grenze zwischen Allinge und Saltuna überhaupt gar nicht beobachtet hat, trotzdem es die längste Strecke ist, von der er eigene Beobachtungen angibt; das, was er als Strandterrassen ansieht, sind gewiß solche, sie liegen aber weit unter der höchsten marinen Grenze, die hier nicht als Terrassen, sondern durch Erosion ausgebildet worden ist. ...