Original paper

Über die Bildung von Windkantern in der Libyschen Wüste.

Walther, Johannes

Kurzfassung

Während in der Paläontologie das Prinzip der Priorität bei der Namengebung mit Strenge durchgeführt wird, war man auf dem Gebiet der allgemeinen Geologie in der Anwendung der Termini technici früher vielfach sehr weitherzig. Namen, welche in der Literatur für bestimmte Erscheinungen von dem einen Autor angewandt worden sind, wurden von anderen oftmals in abweichendem Sinne gebraucht oder durch neue Namen ersetzt, und manche Diskussionen über Fragen der allgemeinen Geologie würden wesentlich vereinfacht sein, wenn eine streng durchgeführte Terminologie nach den in den systematischen Wissenschaften geltenden Regeln auch hier Anwendung gefunden hätte. Dieser Gedanke wird sich jedem aufdrängen, der die umfangreiche Literatur überschaut, in der von ,Geröllen" und ,Geschieben" die Rede ist. Das Wasser rollt und das Eis schiebt. In folgerichtiger Anwendung kann man daher alle vom Wasser geformten und verfrachteten Gesteinsstücke nur als Gerölle, alle vom Eis transportierten Bruchstücke aber als Geschiebe bezeichnen. Es gibt Fälle, wo Wasser und Eis als Transportkraft sich ablösten: am Schmelzrand des Eises werden Geschiebe gerollt; wenn dagegen das Eis über ein altes Flußbett vorwärts schreitet, schiebt es Gerölle in der Grundmoräne weiter. Wir werden Mißverständnisse ausschließen, wenn wir diejenige Kraft, welche ein Felsstück zuletzt bewegte, der Namengebung zugrunde legen. Die meisten Felsstücke haben, bevor Wasser und Eis sie abhoben und transportieren, scharfe Ecken und Kanten, die bei der Verwitterung und Zertrümmerung des Muttergesteins entstanden sind. Die an einer solchen Sprungkante aneinanderstoßenden Flächen können auch bei längerem Transport erhalten bleiben und haben gelegentlich zu der Deutung geführt, daß diese Sprungkanter erst während der Verfrachtung entstanden seien. ...