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Über das Vorkommen von Raspit in Nord-Amerika.

Wittich, E.

Kurzfassung

Raspit, die monokline Form des wolframsauren Bleies, Pb WO4, wurde in den siebziger Jahren entdeckt in Broken Hill in Neusüdwales und 1903 von E. Hussak in Minas Geraes, Brasilien gefunden. Bis heute blieb das seltene Mineral auf diese zwei Fundorte beschränkt. Jetzt ist es mir gelungen, ein neues Vorkommen von Raspit zu entdecken, und zwar in der Sierra von Guanajuato, dem berühmten Silberdistrikt von Mexiko. Am Cerro de Estaño, etwa 13 km östlich der Stadt Guanajuato, liegt eine seit einem Jahre verlassene Zinnmine, in deren Halden sich zuerst das neue Mineral fand. Der Zinngang, bei dessen Ausbeutung der Raspit auch gefördert wurde, tritt in den Rhyolithen auf, ist etwa 40 cm breit; sein Hauptmineral ist Roteisen und Zinnstein, beide in derbem Zustand, mit reichlichem Quarz bzw. Chalcedon als Gangart. Die Salbänder sind etwas zersetzt, und in ihnen kommt der Raspit vor; genau wie in Broken Hill, teils in Krystallen, teils als erdige Masse, aber immer in ziemlich geringer Quantität. Die Kryställchen sind sehr kleine Blättchen, oft in kleine, blättrige Gruppen vereinigt, von braun-gelblicher Farbe und starkem Diamantglanz. Die Krystallform konnte man an den kleinen Blättchen nicht bestimmen; dagegen zeigt sich bei gekreuzten Nicols deutlich die schiefe Auslöschung; ein Zeichen, daß hier in diesem Mineral nicht die tetragonale Form, der Stolzit vorliegt. Die erdige, pulverige Masse, die gleichfalls sich als Pb WO4 erwies, hat kräftige, eigelbe Farbe, die oft als dünner Beschlag die Partien der Salbänder überzieht. Ihr krystallographisches Verhalten konnte natürlich nicht ermittelt werden, es mag daher dahingestellt bleiben, welche der beiden Modifikationen des Bleiwolframiats darin vorliegt. ...