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Zur Frage der Ausdehnung des Magmas beim langsamen Erstarren,

Fleischer, Alexander

Kurzfassung

Am 25. Juni 1910 habe ich in der Deutschen Geologischen Gesellschaft einen Vortrag gehalten über die Ausdehnung magmatischer Massen beim langsamen Erstarren. Als Beweis dieser Ausdehnung habe ich eine bei der Nickelgewinnung fallende Schlacke und ein Stück Basalt vorgelegt, das 5mal geschmolzen worden war, um ganz blasenfreies Material zu erhalten. In der Diskussion hat niemand einen Einwand dagegen erhoben, daß hier eine Ausdehnung unter krystallinischem Erstarren vorliegt. Daneben habe ich vier geschmolzene Gesteine: Hornblende, Trachyt, Syenit und Orthoklas, vorgelegt, welche nicht kristallinisch, sondern glasig erstarrt waren. Meine Ausführungen gaben jedoch Veranlassung zu einer Veröffentlichung des Herrn v. Wolff, in der er die von mir nachgewiesene Ausdehnung der krystallinischen Schlacke und des Basaltes anscheinend ganz übersehen hat. Er hat dagegen mit großer Bestimmtheit die Gesamtheit der vorgelegten Gesteinsschmelzen völlig vernichtend beurteilt, während die Möglichkeit, auch die letzteren Gesteine durch wiederholtes Schmelzen zum krystallinischen Erstarren zu bringen, meiner Ansicht nach keineswegs abzuweisen sein dürfte. Zum Beweise erwähne ich, daß beim 4maligen Schmelzen ein Stück Hornblende kristallinisch erstarrt war, daß sich aber beim Zerschlagen derselben in der Mitte eine pflaumenförmige 30 cm lange Höhle zeigte; ein deshalb wiederholtes Schmelzen jedoch nur eine glasige Erstarrung bewirkte. Meine Versuche in dieser Richtung sollen in der hiesigen Technischen Hochschule fortgesetzt werden. Über ihre Ergebnisse werde ich jedoch erst nach längerer Zeit berichten können. Im Oktober dieses Jahres werden in der hiesigen Technischen Hochschule besondere Einrichtungen in Betrieb genommen, die ein sehr langsames Erstarren ermöglichen, und ich hoffe, mit deren Hilfe dann besonders gute und einwandfreie Ergebnisse zu erzielen. ...