Original paper

Zur Altersfrage der Campignienfunde von Michaelisdonn.

Menzel, Hans

Kurzfassung

Weder durch die nunmehr gedruckt vorliegenden Ausführungen des Herrn Gagel über ,Frühneolithische (?) Artefakte im Geschiebedecksand Westholsteins" (diese Zeitschr. 1911, Monatsber. Nr. 5, S. 249 ff.) noch durch den ,Nachträglichen Zusatz" (ebenda S. 260 ff.) kann ich mich davon überzeugt erklären, daß in Westholstein schon zu diluvialer Zeit Menschen mit neolithischer bzw. mesolithischer Kultur gesessen haben. Vielmehr scheint meine Erklärung, daß die Campignien-Artefakte nachträglich in den Geschiebedecksand gekommen sind, durch die Ausführungen des Herrn Gagel noch eine ganz besondere Stütze zu erhalten. Denn einmal spricht der von Herrn Gagel besonders betonte Umstand, daß eine ganze Anzahl (bzw. so gut wie alle Campignien-) Artefakte völlig scharfkantig sind, während der Geschiebedecksand sonst nur ,stark abgerollte" Geschiebe führt, entschieden dafür, daß die Artefakte nicht mit in den glazialen Schmelzwässern bewegt sondern erst nachträglich in die Absätze hineingebracht worden sind. Und wenn Herr Gagel meinen Ausführungen über die Art, wie die Flintartefakte in den Geschiebesand gekommen sein könnten, die ,bekannte und erwiesene Tatsache" entgegenhält, daß Flinte, die dem trockenen Geschiebesand entnommen werden, also ihre ursprüngliche ,Berg"feuchtigkeit schon verloren haben, zur Herstellung von Artefakten völlig unbrauchbar sind, so bestätigt er damit geradezu meine Ansicht. Denn diese ,bekannte und erwiesene Tatsache" war sicher schon den ,Skivespalterleuten" nicht neu, und deshalb gruben sie eben die frischen Feuersteine aus größerer Tiefe aus. Es ist doch aber eine häufig gemachte Beobachtung, daß die Kulturreste irgendeiner Zeit vielfach in Ablagerungen einer geologisch älteren Zeit eingebettet liegen. Wir wollen doch auch nicht die Reste der echten jüngeren Steinzeit, der Bronzezeit und der späten Eisenzeit, die sich im Heidesand gefunden haben, deshalb dem Alter nach in die Entstehungszeit dieses Sandes versetzen. ...