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Das Erdbeben von Formosa am 17. März 1906

Gagel, C.

Kurzfassung

Am 17. März 1906, morgens 6 Uhr 42 Min. 30 Sek. (japanischer Zeit) wurde die Insel Formosa von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht, dem 3742 Personen zum Opfer fielen (1266 tot und 2476 schwer verwundet), das 7284 Häuser vollständig zerstörte und 30021 Häuser schwer beschädigte. Zwei riesige Verwerfungsspalten von zusammen mehr als 25 km Länge rissen dabei auf. Über dieses Erdbeben ist in Europa annähernd nichts bekannt geworden außer einer kurzen Notiz von wenigen Zeilen in Hettners Geograph. Zeitschrift und einem Referat über die Arbeit des Japaners Omori im Geolog. Zentralblatt. Der Freundlichkeit des Herrn Fr. Möller aus Lübeck, dessen Bruder als Dolmetscher des deutschen Konsulats auf Formosa die Katastrophe miterlebte, verdanke ich eine Anzahl sehr instruktiver Photographien der Wirkungen dieses Erdbebens, und es ist vielleicht nicht ohne Interesse, an der Hand dieser Bilder die bekannt gewordenen Daten über dieses Erdbeben zu rekapitulieren, da auch die Arbeiten von Omori schwer zugänglich sind. Der geologische Aufbau von Formosa ist nach Yamasaki und F. v. Richthofen folgender. Das Rückgrat der Insel bildet das Taiwan-Gebirge oder die Niitaka-Kette, die 50 km breit in der Richtung N 20° O durch den Osten der Insel streicht und nach Osten durch einen ungeheuren Längsbruch desselben Streichens abgeschnitten wird. Dieses Taiwan-Gebirge besteht aus krystallinen Schiefern: Sericit-, Graphit- und Chloritschiefern, mächtigen Schichten hochkrystalliner azoischer Kalke und schwarzen für paläozoisch gehaltenen Tonschiefern; es erreicht Höhen von über 3000 bis 4145 m. Die Schichten fallen, soweit bekannt, nach Westen. Östlich von dem kolossalen Ostabbruch liegt die lange, tiefe Taito-Furche, ein großes Längstal, von welchem aus östlich die aus tertiären Gesteinen aufgebaute Taito-Kette parallel der Ostküste streicht. ...