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Die höchste marine Grenze auf Bornholm. - Zur Morphologie der Greifswalder Oie.

Kranz, W.

Kurzfassung

1. Auf Seite 397-399 dieser Monatsberichte 1911 greift Herr V. Milthers meine Beobachtungen auf Bornholm an: Ich soll die höchste marine Grenze zwischen Allinge und Saltuna übersehen haben, und diese Grenze soll hier nicht als Terrassen, sondern durch Erosion ausgebildet worden sein; der marine Gürtel dieser Küste soll ,besonders durch Enthüllung und Zersplitterung der ursprünglich regelmäßigen Granitoberfläche und nicht durch Strandterrassen charakterisiert" sein. Die marine Grenze soll hier sehr gut hervortreten ,als die Grenze zwischen diesem Küstengürtel, wo die ursprüngliche Decke von Geschiebelehm weggewaschen ist, und dem oberhalb liegenden Altlande, wo diese Decke noch auf den geschrammten und geschliffenen Felsoberflächen liegt". Eine ganz entsprechende Beweisführung erregte kürzlich auf Capri mein Erstaunen. Dort hat man Gehängebreccien, Schrattenbildungen im Kalkfels usw. ohne jede Spur von sicherer mariner Entstehung einfach für marin erklärt, weil unterhalb dieser Bildungen sicheres Marin vorhanden ist; und man hat in den unteren tatsächlich mahnen Bildungen von Capri sehr schief gestellte Strandlinien konstruiert, weil einige ,Höhlenserien" im Kalkfels entsprechend dessen Einfallen eine schräge Anordnung zeigen. Jene Gehängebreccien, Schrattenbildungen und Höhlen von Capri sind aber sehr wahrscheinlich ebenso terrestrischen, subaërischen Ursprungs wie die von Herrn Milthers genannten Erosionsbildungen im Granit und Geschiebelehm von Bornholm. Wir haben vorläufig keinerlei Beweis, daß oberhalb der überaus deutlichen Strandterrassen, deren genaue Lage ich in diesen Monatsberichten 1911, Seite 47-61 beschrieb, noch höhere sicher marine Bildungen existieren, und es ist überaus gewagt, wenn Herr Milthers die genannte Erosionsgrenze mit solcher Bestimmtheit als marine Grenze bezeichnet und damit meine Beobachtungen anzugreifen sucht. ...