Original paper

Über einige noch unsichere Vorkommen von typischer Litorinafauna in Ostpreußen.

von Wichdorff, H. Hess

Kurzfassung

Bei den eingehenden geologischen Untersuchungen, die der Vortragende im Laufe der letzten Jahre auf der Kurischen Nehrung vornahm, wurde festgestellt, daß im südlichen Teile dieses eigenartigen, beinahe 100 Kilometer langen Landstreifens, zwischen Seebad Cranz und Sarkau, und ferner auch in der Mitte der Nehrung, zwischen Rossitten und Kunzen, teils in geringer Tiefe, teils sogar an der Oberfläche anstehend mächtige Ablagerungen von Geschiebemergel als fester diluvialer Sockel der Nehrung vorhanden sind. In den dazwischen liegenden Gebieten wie überhaupt im weitaus größten Teile der Kurischen Nehrung lagern dagegen mächtige alluviale Bildungen dem hier meist 12-30 Meter, stellenweise noch tiefer, unter den Meeresspiegel hinabreichenden Diluvialsockel auf. Vorwiegend bestehen diese Schichten aus fossilarmen, dem diluvialen Spatsand ähnlichen, alluvialen Meeressanden. In ihnen sind im ganzen Gebiete der Nehrung große, oft Kilometer lange unregelmäßig verbreitete typische Süßwasserablagerungen von verschiedener Mächtigkeit eingebettet, wie auch andererseits marine Muschelbänke eingelagert. Die Süßwasserbildungen sind im Untergrunde der Nehrung außerordentlich verbreitet; bald lassen sie sich an der Seeseite und in der Mitte der Nehrung auf größere Strecken nachweisen, bald treten sie an der Haffseite unter dem Drucke der Wanderdünen als 1/2-6 m hohe Aufpressungen zutage. Auf letzteren Umstand hat zuerst Berendt in seiner Geologie des Kurischen Haffes hingewiesen. Diese Süßwasserablagerungen im Untergrunde der Nehrung sind bezeichnenderweise sämtlich typische Faulschlamm bzw. Sapropelbildungen. Sie sind teils als fossilreiche Haffsande, teils als stark tonige schlickartige Haffmergel mit zonenweise eingelagerten Süßwasserkonchylien, Holzresten und Kiefernzapfen usw., teils als mächtige Faulschlammmodder-Ablagerungen ausgebildet. Ostsee und Haff werfen bei Sturmwetter die vom Grund losgerissenen Haffmergelfladen in Mengen an den Strand, die - frisch graubraun, in trockenem Zustande hellgrau - an die Töckgeschiebe Helgolands erinnern.