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Hebung oder Senkung beim Rheinischen Schiefergebirge?

Kranz, W.

Kurzfassung

Zusammenfassung. Da es sich beim Rheinischen Schiefergebirge um ein Schulbeispiel handelt, indem bisher fast überall junge absolute Heraushebung dieses Horstes angenommen wurde, habe ich in der vorstehenden Arbeit das gesamte neuere Beobachtungsmaterial daraufhin gesichtet, ob denn hier tatsächlich Anzeichen vorliegen, welche sich nur durch Hebung erklären lassen, und ob Hebung überhaupt wahrscheinlich ist. Ich glaube das Gegenteil nachgewiesen zu haben. Alle Voraussetzungen für eine solche tektonische Bewegung fehlen: 1. Nicht eine einzige Beobachtungstatsache muß hier durch absolute Hebung erklärt werden. 2. Der Horst wurde im Tertiär stark gestört, aber gerade während der Zeit der stärksten ,Heraushebung", im Diluvium, zeigte er eine unverhältnismäßig große Bodenruhe. 3. Die nördliche und südliche Erosionsbasis des Mittelrheins, Niederrheinische Bucht und Mainzer Becken, bei denen man während der ,Heraushebung" des Schiefergebirges verhältnismäßig große Bodenruhe erwarten sollte, zeigen im Gegenteil starke absolute Senkungen und große Bodenunruhe. 4. Eine junge Aufwölbung des zentralen Teils des Horstes, wie sie bei Hebung durch seitlichen Druck vorhanden sein müßte, fehlt. 5. Der Einzelnachweis von Senkungen ist an mehreren Stellen im Rheinischen Schiefergebirge erbracht, während der Einzelnachweis von Hebungen fehlt. 6. Die nachgewiesenen Senkungen im Rheinischen Schiefergebirge und vor allem in seiner nördlichen und südlichen Erosionsbasis genügen vollkommen zur Erklärung des Rheindurchbruchs, ohne daß Hebung angenommen zu werden braucht. Die einzige Voraussetzung ist, daß der Meeresspiegel noch im Unterpliocän erheblich hoher gestanden hat als heute. 7. Der altdiluviale Rhein war streckenweise bereits zur Patersberger Zeit, noch mehr im Loreleistadium ein Engtal, welches sich dort keineswegs in reifem Zustand befand; die Annahme, er habe sein jetziges Gefälle durch nachträgliche Bodenhebung erhalten, ist unnötig. 8. Das Rheinische Schiefergebirge wurde im jüngeren Tertiär durch grabenartige Einbrüche, namentlich entlang dem heutigen Erosionsdurchbruch, zerstückelt. Die Senkungen, welche im Diluvium den Oberrhein- und Niederrheingraben weiter ausgestalteten, machte der Rheinische Horst nicht mit; hierdurch erfolgte der Rheindurchbruch. Ich bin überzeugt, wenn man die Ursache der Terrassenbildung an anderen deutschen und außerdeutschen Flüssen in gleicher Weise prüft, so wird sich manches als Folge von Senkund herausstellen, was bis jetzt als sicheres Anzeichen von Hebung gilt. Ist doch z.B. der Elbdurchbruch ein Gegenstück zur Bildung des Mittelrheins.