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Über ein rezentes alpines Os und seine Bedeutung für die Bildung der diluvialen Osar.

Philipp, H.

Kurzfassung

Bei der großen Bedeutung, welche den Osarn in der Morphologie der vom diluvialen Inlandeis ehedem bedeckten Länder zukommt, muß es auffallen, welche Unsicherheit im allgemeinen noch über deren Entstehungsart herrscht. Zwar kennt man die Morphologie und den inneren Aufbau der Osar bis in ihre Einzelheiten, aber die Erklärungen gehen noch weit aus einander (vgl. hierüber die Darlegungen bei De Geer und die jüngeren Zusammenstellungen von Elbert und Wahnschaffe. Der Grund hierfür liegt in der geringen Anzahl von Beobachtungen über rezente Osbildungen. Leider lassen uns auch die großen arktischen Inlandeismassen von Grönland und die Vereisungen Spitzbergens schon deswegen im Stich, weil hier die meisten Gletscher nicht auf dem festen Lande, sondern im Meere enden, wodurch die Mehrzahl der sub- und inglazialen Bildungen unserer Beobachtung entzogen werden. Andererseits aber müßte man bei dem Fehlen eines prinzipiellen Unterschiedes zwischen den gewaltigen Inlandseismassen und den Gletschern vom alpinen Typus erwarten, auch bei den vergleichsweise geringen Vereisungsstadien unserer Alpenländer Bildungen zu finden, die morphologisch und genetisch den Osarn entsprechen. Bei Untersuchungen, die ich im vergangenen Sommer speziell über Gletscherstrukturen und deren Zusammenhang mit der Gletscherbewegung im Bereich der Grindelwald- und Aargletscher vorgenommen habe, richtete ich daher mein Augenmerk nebenher auf Bildungen, die etwa mit den norddeutschen und skandinavischen Osarn verglichen werden könnten. Dabei hatte ich das Glück, am Oberaargletscher ein typisches Os aufzufinden und seine Entstehung gewissermassen in statu nascendi zu beobachten.