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Die morphologische Entwicklung der süddeutschen Schichtstufenlandschaft im Lichte der Davis'schen Cyclustheorie

Reck, Hans

Kurzfassung

I: Einführung und Überblick. Historische Einleitung. Morphologische Studien haben erst in den letzten Dezennien die Würdigung in der Wissenschaft erfahren, die ihnen ihrer Wichtigkeit nach zukommt, und welche sie bei ihrer weitgehenden Bedeutung für die Erkenntnis der mechanischen Entwicklungsgesetze unserer Erdoberfläche fordern können. Dies rührt wohl vornehmlich daher, daß die vereinzelten Stimmen zunächst ungehört verhallten, welche eine so weitgehende Wirkung der subaerischen Abtragung annahmen, daß große Landmassen durch sie in flachwellige Ebenen umgewandelt werden konnten, welche ohne Rücksicht auf die geologische Struktur des Bodens diese in einer mehr oder minder ebenen Fläche abschnitten. Der übermächtige, dogmatische Einfluß der Abrasionstheorie stand ihnen gegenüber, die hauptsächlich von den Geologen der meerumbrandeten britischen Inseln ausgebaut worden und zu fast allgemeiner Annahme auch am Kontinent gelangt war. In England war Ramsay der Führer dieser Richtung, in Deutschland v. Richthofen. Der Nachweis allerdings, ob eine Ebene als eine marine oder eine subaerische Denudationsfläche angesehen werden darf, ist schwierig und kompliziert, und der Mangel durchschlagender Gesichtspunkte zur Trennung beider Erscheinungen war wohl einer der Haupthinderungsgründe, welche der Anerkennung der Theorie subaerischer Denudation lange hindernd im Wege stand. Aber abgesehen davon, daß durchaus nicht jede Denudationsfläche die zu erwartenden Konglomerate einer Transgressionsfläche aufweisen kann, abgesehen davon auch, daß nicht über jeder solchen Fläche marine Sedimente lagern, sondern oft auch typische Süßwasserbildungen, so war es doch wohl hauptsächlich der Mangel einer Möglichkeit, die Entwicklung und Entstehung einer ,Peneplain" anders zu erklären als durch Abrasion, welche die subaerische Einebnungskraft des fließenden Wassers so lange verneinen ließ. Man ließ die Tätigkeit der Flüsse mit der Schaffung ihrer Täler einfach erschöpft sein, ohne zu verfolgen, was dann geschehen müsse, wenn der Fluß sich sein reifes Tal geschaffen. Arbeitslosigkeit ist aber eine mechanische Unmöglichkeit für einen, wenn auch noch so träge strömenden Fluß, denn Bewegung ist Kraft, und Kraft leistet Arbeit. Es ist also nur die geringe Größe der Kraftleistung einer Discussion und einer Unterschätzung zugänglich; diese aber gleicht die Natur aus durch die gewaltigen, ihr zur Verfügung stehenden Zeiträume. Eine theoretische, fast rechnerische Zurückverfolgung der mechanischen Arbeitsfähigkeit eines Flusses und seiner Schuttmassen führt zweifellos zur theoretischen Möglichkeit einer ,Fastebene". Freilich wird diese Ableitung dem Einwand begegnen, daß heute tatsächlich keine unzerteilte, fertige Peneplain bekannt ist.