Original paper

Die Quartärfauna des niederrheinisch-westfälischen Industriebezirkes.

Menzel, H.

Kurzfassung

Im Sommer 1911 hatte ich dank dem freundlichen Entgegenkommen meines Kollegen Herrn Bärtling Gelegenheit, die gewaltigen Aufschlüsse, die beim Bau des Rhein-Herne-Kanals entstanden sind, aus eigener Anschauung kennen zu lernen und Fossilien in ihnen zu sammeln. Außerdem stellte mir Herr Bärtling das sehr reiche, von ihm selbst gesammelte Material an Fossilien für meine Untersuchungen zur Verfügung. Besonders interessant und wichtig sind die großen Aufschlüsse des rheinisch-westfälischen Industriebezirkes einmal dadurch, daß sich reiche Fossilsuiten in verschiedenen Horizonten des von Herrn Bärtling festgestellten Quartärprofiles fanden und zum anderen, weil unter diesen Fossilien in mehreren Horizonten der Mensch auftritt. Die Fossilien der einzelnen Horizonte und Fundstellen: A. Die Fauna des Alluviums. 1. Die Moorschichten. Als jüngster fossilführender Horizont treten als Einlagerung in dem alluvialen Sande unter dem Schlick die ,Moorschichten" auf, die aus einem unreinen Torf mit vielen Baumstämmen und vivianithaltiger Moorerde bestehen. Conchylien enthalten sie nicht. Dagegen fanden sich Knochen eines kleinen Rindes, ein Schädel vom Hund (Wolf?), Knochen von Hirsch und Reh sowie ein Menschenschädel und bearbeitete Hirschhornstücke vor. Die Artefakte, die z. T. dem Museum in Essen überwiesen worden sind, bestanden in Hirschhorohacken, wie sie aus der Kjökkenmöddingzeit bekannt geworden sind. Man wird demnach diese Bildungen sowie den Schädel vom Menschen in die ältere Kjökkenmöddingzeit (das Campignien) setzen müssen, die etwa mit der Litorinazeit gleichaltrig ist 2. Die Uniobank. Ein weiterer fossilführender Horizont liegt etwas tiefer fast an der Basis der alluvialen Sande. Er zeichnet sich neben reichlichem Gehalt an Pflanzen- und Holzresten durch eine ziemlich individuenreiche Conchylienfauna aus. ...