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Zur Kenntnis des Oligocäns und Miocäns am Niederrhein.

Weingärtner, Reginald M.

Kurzfassung

I. Ein bisher unbekanntes Miocän-Vorkommen bei Straelen. Im Spätherbste 1910 erhielt Verf. vom Herrn Baron Max von Geyr-Schweppenburg auf Haus Caen bei Straelen eine Schachtel mit folgender Aufschrift: ,Muscheln welche beym graben des Brunnens in der Baumschule im Jahr 1839 gefunden zu Haus Caen". Eine genaue Untersuchung des Inhaltes durch Herrn Tesch ergab Fossilien marinen Miocäns. Da v. Dechen als südlichsten bekannten Punkt für Miocän ein Bohrloch bei Geldern angibt, so glauben W. Wunstorf und G. Fliegel als Südgrenze des marinen Miocäns etwa die Linie Rheinberg-Kamp-Geldern bezeichnen zu können, eine Linie, die ca. 11 km nördlich von unserer Fundstelle verläuft. Eine nähere Untersuchung des interessanten Fundes schien daher geboten. Haus Caen liegt 3 km östlich von Straelen, unmittelbar an der Niers. Der obenerwähnte Brunnen befindet sich ungefähr 100 m vom Hause entfernt im Bereiche der zur Niers gehörigen schmalen Mittelterrasse, etwa 29 m über N.N. Als Stelle für die Versuchsbohrung wurde eine noch 50 m weiter auf Straelen zu liegende kleine Wiese gewählt, die eine von dem vorbeifliessendem Bache um 2 m vertiefte Rinne ausfüllt. Mit gütiger Erlaubnis und Unterstützung des Besitzers, des Reichsfreiherrn von Geyr, und durch bereitwilliges Entgegenkommen der Firma für Brunnenbau usw. Wilh. Stappen in Viersen gelang es Verf. im November 1911 die Richtigkeit des vor 72 Jahren gemachten Fundes marinen Miocäns zu bestätigen. Folgendes Schichtenprofil wurde angetroffen: 0,50 m Humus - 0,40 m Grauer Schwemmsand - 0,50 m Grober Kiessand mit etwas Holz (anscheinend Wurzelreste) und einigen größeren Rollsteinen: Quarzgerölle, Sandsteine usw. - 1,- m Scharfer, eisenhaltiger, mittelgrober Kiessand mit einzelnen größeren Rollsteinen: Ein faustdicker Feuerstein - 0,30 m Schwärzlicher zäher Ton - 0,30 m Mittelfeiner Kies. 3 m. ...