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Über eine wenig bekannte Fundamentaltatsache der Palaeobotanik.

Gothan

Kurzfassung

Der Vortrangende spricht über das zwar schon öfter erwähnte, aber immer noch wenig bekannte und daher z. B. in den Lehrbüchern der Geologie und Palaeontologie kaum gewürdigte zeitliche Verhältnis der großen Entwichlungsperioden des Tierreichs zu denen des Pflanzenreichs. Auf Grund der Tierreste hat man die Erdschichten in kaenozoische, meso- zoische und palaeozoische eingeteilt, deren Umfang und Begrenzung allgemein bekannt ist. Versucht man auf Grund der Pflanzenreste eine solche Gliederung vorzunehmen, so gelingt dies sehr leicht. Als Kaenozoicum ist dann die Angiospermenperiode anzusehen, als Mesozoicum die Gymnospermenperiode, als Palaeozoicum die Pteridophytenperiode, insbesondere Flora vom Carbontypus (etwa vom Oberdevon an). Über ältere, besonders silurische Pflanzen (hier nur einige Algenreste) ist zu wenig bekannt. Die Angiospermenperiode - oder das Kaenophyticum nach einem Vorschlag Potoniés (auch Tuzson hat diesen Namen) deckt sich nicht mit dem Kaenozoicum im gewöhnlichen Sinne, sondern reicht in den Gault hinunter; zwar sind Angiospermen aus dem heimischen Gault nicht bekannt, was aber bei der großen Pflanzenarmut dieser Schichten bei uns nichts besagen will, aber man kennt sie aus den oberen Schichten der Potomacformation (Patapscoformation), die man jetzt dem Gault parallelisiert (Berry, in Maryland Geolog. Survey 1911, S. 172 u. vorher) und auch anderswoher aus ähnlichen Schichten findet man sie angegeben. Auf jeden Fall aber ist die Cenomanflora überall eine typische Angiospermenflora und steht in schärfstem Gegensatz zu der Neocom-Wealdenflora, die rein wenn man so sagen darf - jurassisch ist, d.h. dem Mesophyticum zuzurechnen ist und noch keine Spur von Angiospermen enthält. Demgemäß beginnt das Kaenophyticum weit früher als das Kaenozoicum im gewöhnlichen Sinne, nämlich in den Schichten des Gault-Cenoman.