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Die Flußterrassen des Wesergebietes und ihre Altersbeziehungen zu den Eiszeiten.

Grupe, O.

Kurzfassung

Einleitung. Der Vortrag des Herrn Siegert über ,Die Entwicklung des Wesertals", der in dem vorhergehenden Aufsatze dieser Zeitschrift abgedruckt ist, veranlaßt mich, meine so wesentlich anders geartete Auffassung über diesen Gegenstand ausführlicher darzulegen, wobei ich im Interesse einer einheitlichen Darstellung eine kurze Wiederholung einiger bereits publizierter Dinge nicht gut vermeiden kann. Zugleich benutze ich die Gelegenheit, meine weiteren Ergebnisse über die Weserterrassen und ihre Altersbeziehungen zu den Eiszeiten mitzuteilen. Der Unterschied in unseren Auffassungen ist ein fundamentaler: Herr Siegert nimmt an, daß das Wesertal unter dem Einflüsse ständig, in verhältnismäßig kurzen Zeitabschnitten wechselnder Erosionen und Akkumulationen sich herausgebildet hat, und daß die dabei entstandenen Schotterterrassen präglazial und interglazial sind. Ich behaupte gerade das Gegenteil: Die Weser hatte sich bereits in pliocäner Zeit anhaltend und tief, mindestens bis zu 20 m über der heutigen Talaue, eingeschnitten, um dann in der folgenden älteren Diluvialzeit von mächtigen Schottern aufgefüllt zu werden, und sowohl diese Schotter der Oberen Terrasse wie die in den späteren Stadien des Diluviums nach weiteren, vorhergehenden Erosionen erfolgenden Ablagerungen der Mittleren und Unteren Terrasse sind zeitlich glazial, d.h. sie stehen in einem gewissen Kausalnexus mit den im Norden auftretenden Bildungen der verschiedenen Eiszeiten. Und zwar entspricht die Obere Terrasse der ersten Eiszeit, die Mittlere Terrasse der zweiten Eiszeit und die Untere Terrasse der letzten Eiszeit. Tal- und Terrassenbildung. Sehen wir vorerst ab von den von Hameln an flußabwärts gelegenen glazialen Ablagerungen und betrachten die einheimischen Flußabsätze im Oberlaufe des Wesertals, so treten uns da zunächst am Rande der heutigen Talaue zwei Aufschüttungsterrassen entgegen: die um 3-5 m ansteigende, lößfreie, zumeist aus sandigen und lehmigen Bildungen bestehende Untere Terrasse und darüber die 12-15 m mächtige, aus gröberen Schottern sich zusammensetzende und vielfach von Löß überkleidete Mittlere Terrasse.