Original paper

Über gegenwärtige tektonische Bewegungen in der Insel Hiddensöe (Rügen).

Jaekel, O.

Kurzfassung

Die Insel Hiddensöe bildet den nordwestlichen Abschluß des Rügener Inselkomplexes und besteht aus einem nördlichen diluvialen Inselkern, dem sogenannten Dornbusch, und zwei Inselschwänzen, die diesem im Osten und Westen mit südlicher Richtung angehängt sind. Der kleinere, östliche ist der Bessin, dessen proximaler Teil, der Alt-Bessin, ständig über Wasser liegt, während sein südlich weitausgebreitetes Ende, die sogenannte Bessinsche Schaar, nur bei Niedrigwasser zutage tritt. Der westliche, wesentlich größere Inselschwanz, der sich etwa 16 Kilometer weit nach Süden erstreckt, ist aus mehreren niedrigen Inselkernen zusammengewachsen, die von Nord nach Süd das Gebiet von Vitte, dem Hauptort der ganzen Insel, das von Neuendorf-Plogshagen und den Gellen umfaßt. An letzteren schließt sich wie an den Alt-Bessin eine flache große Sandbank, der Gellerhaken, der auch nur bei Niedrigwasser freiliegt. Beide Inselschwänze sind ganz übereinstimmend aus alluvialen Sanden aufgebaut, mit Dünenketten und -hügeln versehen. Die geologische Struktur des diluvialen Inselkernes ist von Joh. Elbert zum Gegenstand eingehender Untersuchungen gemacht worden. Dieselben waren veranlaßt worden durch Risse, die der große Leuchtturm von Hiddensöe erhalten hatte, so daß nun dessen Standfestigkeit geologisch näher untersucht werden sollte. Zahlreiche Bohrungen, die zu diesem Zweck vorgenommen wurden, ermöglichten Elbert, ein verhältnismäßig detailliertes Bild des Aufbaues der Diluvialschichten zu entwerfen. Die offenbar sehr intensive Einwirkung des Meeres auf die Steilufer des Dornbusches ließen die Bedeutung dieser randlichen Uferabbrüche in erster Linie hervortreten. Elbert stellte außerdem fest, daß die Zerstörungen am Nordufer durch ausfließende Quellen befördert wurden, und nahm an, daß die Bodenbewegungen zwischen dem Leuchtturm und dem Tietenufer durch eine schräge Neigung diluvialer Mergelschichten veranlaßt sein könnten.