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Über altquartäre Ostracoden, insbesondere über die Ergebnisse einer Untersuchung der Ostracodenfauna des Interglazials von Dahnsdorf bei Belzig und Frankfurt a. d. O.

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Kurzfassung

Eine genaue Kenntnis der altquartären Lebewelt ist nicht nur zoologisch von allergrößtem Interesse, weil die Erklärungsversuche über die Herkunft der rezenten Fauna und Flora vielfach an die diluvialen Verhältnisse anknüpfen, sondern auch vom Standpunkte des Paläontologen und Stratigraphen höchst wünschenswert. Während nun aus den angeführten Gründen zum Beispiel die Mollusken und teilweise auch die Pflanzen des Diluviums den Gegenstand zahlreicher Untersuchungen bilden, sind bisher die Ostracoden trotz ihres häufigen Auftretens in diluvialen Ablagerungen - wie auch schon anderweitig hervorgehoben wurde - wenig beachtet worden. Im folgenden sollen daher zunächst die Ergebnisse einer Untersuchung der Interglazialschichten von Dahnsdorf bei Belzig und Frankfurt a. d. O. auf Ostracoden mitgeteilt und dann kurz über die Resultate ähnlicher Arbeiten zusammenfassend berichtet werden. Zur Gewinnung der Ostracodenschalen von Dahnsdorf und Frankfurt a. d. O. wurde das Material geschlämmt und aus dem Rückstände die Fossilien herausgelesen. Die Bestimmung gestaltete sich nicht immer ganz einfach, da der Erhaltungszustand verschiedentlich zu wünschen übrig ließ. Im allgemeinen haben sich die Ostracoden aus Frankfurt besser erhalten als die Dahnsdorfer, aber die Frankfurter Fauna ist bedeutend monotoner. Ist es in manchen Fällen schon bei rezenten Ostracoden mißlich, ohne die Zuhilfenahme der Gliedmaßen aus der Beschaffenheit der Schale allein eine zuverlässige Bestimmung durchzuführen, so gestaltet sich die Identifizierung bei fossilen Formen oft noch schwieriger, da viele Kennzeichen wie Borsten, Zähnchen oder die Pigmentierung und der gelegentlich vorkommende Perlmutterglanz fehlen. Die Muskeleindrücke, deren Lage Zahl und Form ein wichtiges Hilfsmittel der Determination bilden, sind oft schwer oder gar nicht zu erkennen. Die folgenden Bestimmungen sind auf Grund relativ gut erhaltener Exemplare in den meisten Fällen nach G W. Müller, Deutschlands Süßwasserostracoden (Zoologica, H. 30; Stuttgart 1900) erfolgt. Die beigegebenen Abbildungen wurden nach Kanadabalsampräparaten auf photographischem Wege gewonnen.