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Studien über den Aufbau und die Gesteine Madeiras.

Gagel, C.

Kurzfassung

Vorwort. Im Sommer 1903 hatte ich Gelegenheit, praktisch bergmännischer Untersuchungen halber die Insel Madeira ziemlich genau kennen zu lernen und kreuz und quer zu durchstreifen. Das wesentlichste wissenschaftlicheErgebnis meiner damaligen Beobachtungen schien mir der Nachweis zu sein, daß die vollkrystallinen Gesteine, die im Norden der Insel bei Porto da Cruz in sehr geringer Meereshöhe anstehen und die früher als ,Hypersthenite" beschrieben waren und für das alte Grundgebirge der Insel angesehen wurden, nicht die höchsten Spitzen eines älteren Grundgebirges sein könnten, sondern offenbar ganz junge Intrusionen innerhalb der jungvulkanischen Effusivgesteine waren. Durch genauere mikroskopische Untersuchungen an meinem Material wies dann Herr Finckh nach, daß diese vollkrystallinen Gesteine zur Familie der Essexite gehörten und die Tiefengesteine zu den in großer Verbreitung auf der Insel vorhandenen und durch einen wesentlichen Gehalt an alkalihaltigen Hornblenden ausgezeichneten Trachydoleriten und nephelinbasanitartigen Gesteinen darstellten. Mit Hilfe eines Stipendiums der Karl-Ritter-Stiftung der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin war es mir dann vergönnt, im Jahre 1907 zum zweiten Male nach Madeira zu gehen und die sich aus meinen früheren Beobachtungen ergebenden Fragen zu untersuchen und zu verfolgen. Endlich wurde mir infolge des mich zu lebhaftem Dank verpflichtenden Entgegenkommens von Herrn Walther in Halle a. S. die ziemlich reiche Sammlung von Madeiragesteinen zugänglich, die K. v. Fritsch im Jahre 1862 bei seinen monatelangen Studien dort gesammelt hatte und die seit jener Zeit noch unausgepackt im Museum in Halle sich befanden; ebenso durfte ich die Stübelschen Sammlungen, die im Grassimuseum in Leipzig liegen, durchsehen und z. T. genauer studieren, wofür ich Herrn Bergt zu großem Dank verpflichtet bin. Auf Grund dieses sehr reichen und umfassenden Materials, von dem eine sehr große Anzahl Analysen und weit über 250 Dünnschliffe vorliegen, sind die Bestimmungen über den petrographischen Charakter und die stoffliche Beschaffenheit der Gesteine dieses großen und einheitlich aufgebauten Vulkangebietes hergeleitet. Die petrographische Bestimmung der Gesteine auf Grund mikroskopischer Untersuchung der Dünnschliffe, wesentlich an meinem 1903 gesammelten Material und an einem Teil der v. Fritschschen und Stübelschen Sammlungen ist von Herrn L. Finckh ausgeführt, dem ich dafür zu Dank verpflichtet bin. Herr Finckh bat zuerst den trachydoleritischen Charakter des größten Teils der gefundenen Erguß-Gesteine erkannt. Der größere Teil meines Materials vom Jahre 1907 ist nicht mehr von Herrn Finckh untersucht, sondern (ebenso wie ein sehr erheblicher Teil des v. Fritschschen Materials) von mir selbständig auf Grund der zahlreichen Analysen und durch makroskopischen und mikroskopischen Vergleich mit den charaktezistichen Gesteinen anderer Vulkangebiete, durch Vergleich mit den früher von Herrn Finckh untersuchten Gesteinen Madeiras sowie durch Vergleich mit den entsprechenden, ebenfalls von Herrn Finckh bestimmten Gesteinen aus der Caldera von La Palma bestimmt worden.