Original paper

Ein vollkommen plastisch deformierter Steinsalzkrystall aus Boryslaw in Galizien.

Lachmann, R.

Kurzfassung

Der in Figur 1 und 2 dargestellte merkwürdige Steinsalzkrystall stammt aus der Sammlung des Herrn Bergrat Bartonec in Freiheitswaldau bei Troppau und wurde in den östlichen jetzt nicht mehr in Abbau befindlichen Wachsgängen des Boryalawer Reviers allseitig in Ozokerit eingeschlossen vorgefunden, Über die Art des Zusammenvorkommens vor Eintritt der Deformation siehe Figur 3 nach Bartonec. Die Boryslawer Wachsgänge (Profil Figur 4) sind Zerrüttungszonen, welche wahrscheinlich zur Zeit der Bildung der äußeren Karpathenüberschiebungen, d. h. gegen Ausgang des Miocäns unter starkem horizontalen Gebirgsdruck aufrissen und etwa gleichzeitig mit Petroleum imprägniert sind, aus welchem sich das Erdwachs gebildet hat. Der Gebirgsdruck, welcher in diesem Gebiete ganze Schächte schraubenförmig um seine Achse gedreht und bis zehn Meter aus dem Lote gebracht hat, der Eisenrohre und die stärksten Zimmerungen wie Strohhalme zerknickt, dürfte auch heute noch nicht zur Ruhe gelangt sein. Das Steinsalzgebilde ist 59 mm hoch und von der Spitze bis zur Basis 171 mm lang. Er ist von hellklingender, überaus fester Beschaffenheit und besitzt eine trübe, durchscheinende Färbung, die an manche Sorten von Milchglas oder noch besser an die alten erblindeten Glasgefäße aus der Römerzeit erinnert. Die Trübung muß hauptsächlich durch Anätzung in feuchter Luft und durch Einschlüsse von Wachsflocken erklärt werden. Es hat als Ganzes die Form eines in einer Raumspirale gewundenen Kegels, welcher von der Basis bis zur nadelförmig fein auslaufenden Spitze eine gleichmäßige Verjüngung aufweist. Man kann drei Hauptteile unterscheiden: eine basale Krystallgruppe, eine weit und in einer Ebene gebogene Mittelpartie und endlich die scharf und ebenfalls in einer Fläche gewundene Spitzenschleife.