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Gebirgsbau Griechenlands.

Renz, Carl

Kurzfassung

Die Anschauungen über das Alter und die Gliederung der vorneogenen griechischen Sedimentformationen, sowie im Zusammenhang hiermit über den Gebirgsbau von Hellas im allgemeinen waren im Laufe der Zeit bedeutenden Wandlungen unterworfen, während sich im Neogen seit den Arbeiten von Th. Fuchs, M. Neumayr, A. Philippson im Verein mit Paul Oppenheim und anderen nur wenig mehr geändert hat. Die Untersuchungen des Vortragenden erstrecken sich in erster Linie auf das griechische Mesozoicum und Paläozoicum. Die ersten Versuche einer geologischen Aufnahme von Hellas reichen auf die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück und besitzen heute fast nurmehr historisches Interesse. Den eigentlichen Anfang einer systematisch durchgeführten Erforschung des Landes machten M. Neumayr, A. Bittner und F. Teller in Mittelgriechenland. Diese Forscher teilten die dortigen mesozoischen Gebirgsglieder, die sie sämtlich für cretacisch hielten, in einen oberen und einen unteren Kalk mit einer dazwischen liegenden Schiefer-Sandsteinformation, dem Macigno oder Flysch, die ihrerseits noch einen mittleren Kalk einschließen kann. Die normalen Kreideablagerungen sollten nach Neumayr im östlichen Hellas durch Dynamometamorphose allmählich in die dortigen krystallinen Gesteine übergehen, eine Frage, die dann R. Lepsius zu einer genauen Kartierung von Attika veranlaßte. Auch Lepsius hielt die Gesamtmasse der vortertiären normalen Ablagerungen Attikas für Kreide, während er die krystallinen Bildungen teils für cretacisch, teils für archäisch erklärte. Nach einem längeren Stillstand in der geologischen Erforschung des Landes bereiste A. Philippson das ganze Hellas. Da die Untersuchung der österreichischen Mission, abgesehen davon, daß mit der stratigraphischen Gliederung Neu-Mayrs nichts anzufangen ist, auch in räumlicher Beziehung Stückwerk blieb, kann wohl Philippson als der eigentliche Begründer der griechischen Stratigraphie gelten. Daß bei der Größe seiner Leistung auch mancherlei Berichtigungen erforderlich wurden, ist nur zu begreiflich und tut der Bedeutung seines Werkes keinerlei Eintrag.