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Über die Beziehungen der Kryokonitlöcher zu den Schmelzschalen und ihren Einfluß auf die Ablationsverhältnisse arktischer Gletscher.

Philipp, H.

Kurzfassung

Eine der auffallendsten Erscheinungen arktischer Gletscher sind die Kryokonitlöcher, die vor allem aus Grönland bekannt sind, in gleicher Weise aber auch in Spitzbergen und anderen hocharktischen Gebieten in größter Verbreitung vorkommen. Drygalski hat die Erscheinung mustergültig beschrieben. Es sind steil eingesenkte meist rund, selten oval zylindrische Vertiefungen, die dicht gedrängt den Gletscher wabenartig durchsetzen. Besser ist vielleicht der Vergleich mit einem gut durchlöcherten Schweizerkäse, wie die Photographie (Fig. 1) vom oberen v. Postgletscher zeigt, weil die Löcher nicht so regelmäßig und von so gleicher Größe sind, wie man dies mit der Vorstellung von Waben verbindet. Die Durchmesser der Löcher schwanken von wenigen Millimetern bis zu mehreren Dezimetern, indem mehrere kleinere Löcher zu einem größeren mit einander verschmelzen können. Die Tiefe der Löcher wechselt gleichfalls je nach der Lokalität; am v. Postgletscher in Spitzbergen habe ich 10-30 cm Tiefe beobachtet, in Grönland fand Drygalski eine durchschnittliche Tiefe von 40-50 cm; einige wenige erreichten aber dort Tiefen bis über 60 cm. Der Boden der Löcher ist mit feinem Schlamm bedeckt, über dem eine Wassersäule steht. Diese Löcher entstehen durch Einschmelzen des feinen, über den Gletscher verteilten dunklen Staubes in das Eis bei Lufttemperaturen, die weit unter 0° liegen können, da der Staub die strahlende Wärme absorbiert und dann erst zur Schmelzung an das Eis abgibt; und zwar kann der Staub noch in der Tiefe der Kryokonitlöcher trotz des niedrigen Standes der arktischen Sonne, also durch das Eis hindurch die Wärmestrahlen absorbieren, weil das Eis ja bis zu einem gewissen Grade diatherman ist. Es findet also hier durch Insolation eine indirekte Schmelzung des Eises unabhängig von der Lufterwärmung statt, ein Vorgang, der am besten als indirekte Ablation zu bezeichnen ist, und der, soweit die Insolation durch das Eis hindurch erfolgt, den von Hann beschriebenen Fällen entspricht, wo in polaren Ländern durch den Schnee hindurch eine Erwärmung des darunter liegenden Bodens oder von Steinen stattfand, die dann ihrerseits auf den sie bedeckenden Schnee schmelzend einwirkten.