Original paper

Über Meeresschwankungen an der Küste von Kalifornien.

Wittich, Ernst

Kurzfassung

Wie ich in dieser Zeitschr. 1911, Monatsber. 12, mitgeteilt habe, läßt sich am Südrande der kalifornischen Halbinsel überall ein starker Rückzug des Meeres in sehr junger Zeit deutlich beobachten, ebenso dessen Fortsetzung und Folgeerscheinungen weit ins Land hinein verfolgen Dieselben Beobachtungen, nur in noch viel größerem Maßstabe und tiefer ins Innere des Landes hinein, habe ich nun auch im Norden der Halbinsel entlang der pazifischen Küste machen können, und zwar von Los Angeles, Cal., hinunter bis in die Bucht Sebastian Vizcaino etwa am 28° n. Br. Diese junge Meeresbedeckung reichte im Innern der Halbinsel bis über die Wasserscheide zwischen dem Golf und dem offenen Meere, so daß von einem Golf im eigentlichen Sinne für die jungdiluviale Zeit keine Rede sein kann. In der zitierten Arbeit habe ich S. 582 von einer festgestellten Niveaudifferenz von 100 m im Süden berichten können; jetzt zeigte es sich, daß im Innern des Landes im Norden ganz junge Meeresbildungen bis über 1000 m heraufreichen; der höchste beobachtete und gemessene Punkt liegt direkt auf der Hauptwasserscheide in der enormen Höhe von 1052 m über dem Stillen Ozean. (Paß bei San Borja.) Die ungeheure Zahl, tausend Meter Meeressenkung in junger Zeit, war so frappierend, daß nichts unterlassen wurde, um sich über alle Fundumstände stets zu vergewissern. Ich kann anführen, daß es uns beiden, meinem Kollegen E. Böse und mir, möglich war, marine subfossile Conchylien vom Tieflande herauf kontinuierlich bis zu der angegebenen Höhe zu verfolgen, und von hier aus begleiteten uns jungmarine Bildungen auf anderen Wegen wieder herab zur Meeresküste. Aber auch an einer zweiten Stelle, weiter südlich, an der unsere Expedition die Wasserscheide zwischen dem Ozean und dem Golf überschritt, sahen wir als treue Begleiter die deutlichen Spuren und Überreste einer absolut jungen marinen Überflutung. Dieser Punkt, der Portesuelo de Sta. Isabel, hat nur 690 m Meereshöhe und liegt 2 Tagereisen nördlich des Minenortes Calamahi (am 28° n. Br.), gleichfalls weit im Innern des Landes.