Original paper

Zur Inoceramus - Frage.

Hennig, Edwin

Kurzfassung

Die letzt veröffentlichte der verdienstvollen Inoceramus-Studien des Herrn Joh. Böhm (Diese Zeitschrift 1912, Heft 7, S. 399-404) veranlaßte mich, einige Notizen, die ich mir vor Jahren gemacht, hatte, zu vergleichen. Es seien mir daraufhin einige Zusätze erlaubt. Ein wie unsäglich schwieriges Litteraturstudium dazu gehört so ,alltägliche" Typen wie Inoceramus Brongniarti und Lamarcki zu vergleichen bzw. als identisch zu erweisen, geht aus der Lektüre des kurzen Aufsatzes von Herrn Böhm zur Genüge hervor. Das Gewühl von Autornamen und wenig klar begrenzten Speziesbezeichnungen ist schlechterdings unübersehbar. Wären nicht von Zeit zu Zeit ähnliche kritische Sichtungen wie die des Herrn Böhm erfolgt, so wäre es heut wirklich bereits ein aussichtsloses Beginnen, auch nur den wichtigsten Inoceramus-Arten historisch nachzugehen. Aber auch mit ihrer Hilfe ist es wahrlich noch schwer genug, sich durch all die unzähligen Nebenwege und Sackgassen des Labyrinths hindurchzufinden. Meine Ergänzungen zu den Darlegungen des Herrn Böhm wollen lediglich der festen Überzeugung Ausdruck geben, daß endgültige Klarheit in gewissen Fällen überhaupt nicht mehr zu schaffen ist, ohne daß Tabula rasa gemacht und ein neues Gebäude auf ganz neuer Grundlage errichtet wird. Die Geschichte der Inoceramus zeigt besser als andere, vielleicht kaum besser bestellte Gebiete der Paläontologie, wie eine Reihe geringfügiger Versehen (auch die zufällige Zusammensetzung der jeweils zur Verfügung stehenden Sammlung spricht dabei ein gewichtiges Wort) verschiedener Autoren mehr und mehr vom wahren Sachverhalt ablenkt, ohne daß einem Einzelnen dabei ein besonderer Vorwurf zu machen, aber auch ohne daß die Wurzel des Unheils immer bloßzulegen und damit zu beseitigen wäre. In wie verhängnisvoller Weise aber diese Unsicherheiten und Irrtümer in die Stratigraphie und damit zusammenhängende Fragen hineinspielen und oft bereits hineingespielt haben, bleibe hier ganz ununtersucht.