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Einige Beobachtungen in der Flyschzone Südbayerns.

Hahn, F. Felix

Kurzfassung

Wenn auch meine Studien über die Flyschzone Südbayerns, die im Frühjahr 1911 begonnen wurden, naturgemäß noch keineswegs zu endgiltigen Schlüssen berechtigen, fühle ich mich doch veranlaßt, einige Beobachtungen, die sich im Verlauf der Begehungen zwischen Leitzach und Halbammer ergaben, zu veröffentlichen. Und dies einmal aus dem Grunde, da es sich in den besprochenen Aufschlüssen um Augenblicksbilder handelt, die an steilen Hängen gelegen, bei der bekannten Neigung des Flyschgeländes zu Rutschungen im besten Falle nur etliche Monate zu sehen und nachzukontrollieren sind. Des weiteren sind aber in letzter Zeit wertvolle Neubearbeitungen der Schlierseerberge (von E. Dacqué) und der Benediktenwandgruppe (von P. D. Aigner) erschienen, die beide auch noch auf die angrenzende Flyschzone übergreifen, dabei aber einige nicht ganz richtige Beobachtungen und Deutungen enthalten, die zu mißlichen Irrtümern Anlaß geben könnten. Es handelt sich zunächst um die Grenzfläche zwischen Flysch und ostalpiner Randzone. Man wird E. Dacqué Dank wissen für deren sorgfältige Begehung und Darstellung, die uns ein im ganzen recht zutreffendes Bild über die Art des heute vorhandenen Kontaktes gibt. Vor allem lenkt der kräftige Vorstoß der ostalpinen Masse an den Kreuzbergalmen westlich des Schliersees sofort den Blick auf sich, in seinem Verlauf untrüglich eine gar nicht sonderlich steil südgeneigte Fläche verratend. Von da läßt nun aber Dacqué die Grenzlinie gegen Südwest zum Rottacher Schweighof in mehreren aus- und einspringenden Bogen verlaufen, deren geometrische Analyse einen äußerst unruhigen, um nicht zu sagen wenig wahrscheinlichen Mechanismus ergeben würde. Eine den Einzelheiten nachgehende Untersuchung an Ort und Stelle überzeugt an der Hand einer offenbar erst kürzlich durch bedeutende Erdbewegungen geschaffenen Aufschlußreihe in dem nordsüdlich gerichteten Quellast des Aalbachs, daß der erwähnte Kontakt sich hier tatsächlich aus zwei ungleichwertigen Komponenten zusammensetzt, deren eine, im wesentlichen Nord-Süd bis N30° O-S30° W gerichtet, einer echten Blattverschiebung entspricht, während die andere Ost-West bis ONO-WSW gerichtet, bei südlich bis südöstlicher Flächenneigung den Charakter der primären Grenzebene wahrt.