Original paper

Über das Simplongebiet.

Rothpletz, A.

Kurzfassung

Die Dent-Blanche Decke: Herr Argand bat von dem Massiv der Dent-Blanche eine sehr schone geologische Karte im Maßstab 1 : 50000 veröffentlicht, bei deren Betrachtung wohl niemand sich des Eindruckes erwehren kann, daß die Gneise von Arolla samt ihren sie begleitenden Graniten, Gabbros und Marmoren eine weit ausgedehnte Decke bilden, die auf einem Substratum von ganz anderer geologischer und petrographischer Beschaffenheit liegen, und daß sie in diese Lage nur durch eine großartige Überschiebung gelangt sein können. Wo im Norden, Osten und Süden diese Decke gegenwärtig ihr Ende erreicht, sieht man überall dieses Substratum darunter auftauchen zumeist mit seinen jurassischen Gesteinen, unter denen weiter draußen die triasischen Schichten und dann die Glimmerschiefer in großer Ausdehnung folgen. Scharf und deutlich hebt sich die Grenzfläche zwischen dem Substratum und der Decke ab, und sie springt dem Beschauer der Karte förmlich in die Augen infolge der glücklichen Wahl der Farben. Von einer weiteren Decke, die auf der Dent-Blanche-Decke liegt, gewahrt man allerdings nur noch einen kleinen Rest, der am Mont Dolin bei Arolla erhalten geblieben ist. Es liegen da zu unterst Trias, darauf Jura, beide stark gefaltet und der tieferen Gneisdecke von oben her etwas eingesenkt. Nur zwei Stellen auf der Karte fand ich, die dies klare Bild störten; auf der Ostseite der Couronne de Bréonna, wo eine kleine Partie des Arollagneises im Substratum liegt und nördlich des Besso, wo ein ziemlich langer Streifen von Prasinit wie gangförmig in den Arollagneis eingreift. Es möchte gewagt erscheinen, sie aus Einpressungen beim Schub zu erklären, doch habe ich sie nicht besucht. Mein Augenmerk war auf solche Stellen gerichtet, wo die Karte unzweideutig ist und gute Aufschlüsse zu erwarten waren. Darum wählte ich die Umgebung von Haudères im Val d'Hérens und das Arollatal. Hier fand ich nun, daß der Arollagneis an seiner unteren Grenze häufig eine eigenartige Ausbildung, eine Art Randfacies, besitzt, die große Ähnlichkeit mit denjenigen Gesteinen hat, welche in den oberen Teilen des Substratums sehr verbreitet sind, und die Argand als Gruppe von Tracuit ausgeschieden, aber in Beziehung zu den Prasiniten gebracht und wie diese auf der Karte mit grüner Farbe, aber roten. Tupfen, bezeichnet hat.