Original paper

Ekzeme als geologische Chronometer.

Lachmann, R.

Kurzfassung

Die Versuche, welche man bisher unternommen hat, geologische Zeiträume exakt zu messen, müssen leider vom geologischen Standpunkte als mehr oder weniger unbefriedigend bezeichnet werden. Entweder beruhen die Berechnungen auf rein theoretischer Grundlage, wie die Schätzungen aus dem Betrage der Abkühlung der Erde, oder sie umfassen zu große Zeiträume (Abbau des Urans) und sind dann nicht mehr mit bestimmten Zeitgrenzen in Beziehung zu bringen, oder endlich zu geringe, wie die Schätzung aus dem Rückschreiten der Niagarafälle oder des schwedischen Inlandeises oder aus der Sedimentation in den Schweizer Seen. Ein vollkommener geologischer Chronometer muß die Bedingung erfüllen, daß er Bewegungen vornimmt, welche gleichmäßig und möglichst langsam sich vollziehen, aber noch eben schnell genug, um im Laufe etwa eines Menschenalters meßbar zu sein. Alles dies trifft auf die Ekzeme zu. Sie wachsen nach der Deutung von Svante Arrhenius unter dem Einfluß der Schwerkraft mit einer Geschwindigkeit empor, welche von einer Reihe zahlenmäßig unschwer abzuschätzender Faktoren abhängig ist und der Größenordnung nach etwa 1 cm in einem Jahrhundert ausmachen dürfte. Die moderne Geodäsie ist in geeigneten Fällen durchaus der Aufgabe gewachsen, derartige Bewegungen exakt festzustellen. Eine Auswertung derartiger Resultate ist nur auf Grund einer Kenntnis der Entwicklungsgeschichte der ekzematischen Salzbildungen möglich, und der Vortragende ging daher daran, den Stand seiner Untersuchungen über diesen Gegenstand kurz darzulegen. Ein Salzstock, welcher in sedimentäre Schichten eingebettet ist, repräsentiert eine Masse, welche ein um etwa 0,3 geringeres spezifisches Gewicht besitzt als ihre Umgebung. Der Salzauftrieb beruht daher auf einem spezifischen Druck von nur einem Drittel einer Atmosphäre, er summiert sich aber zu ganz enormen Kräften, wenn man das Massendefizit berechnet, welches sich aus dieser Gewichtsdifferenz ergibt. Unsere norddeutschen Salzstöcke besitzen zum Teil sicher mehr als 100 km3 Inhalt; das sind 30 km3 fehlendes Wassergewicht oder anderthalb Berge von der Schwere des Versuvs!