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Die geologischen Grundlagen für die Chronologie des Diluvialmenschen.

Wiegers, Fritz

Kurzfassung

Unsere Kenntnis der Diluvialprähistorie ist in den letzten Jahren sehr gefördert worden, besonders der typologische Teil dieser neuen Grenzwissenschaft zwischen Geologie und Urgeschichte; die Stratigraphie hat dagegen keine wesentlichen Fortschritte aufzuweisen, obgleich sie die eigentliche Grundlage dieser frühen Vorgeschichte des Menschen ist. Vergleicht man die in den letzten Veröffentlichungen Ton Obermaier, R. R. Schmidt, Penck und Bayer aufgestellten Chronologien, so zeigt sich in der geologischen Altersstellung der prähistorischen Fundschichten ein großer Unterschied zwischen dein System Obermaler-Schmidt einerseits und Penck-Bayer andererseits. (Vgl. Tabelle S. 604.) Obermaier datiert auf Grund seiner Gliederung der Garonneterrassen das Altpalaeolithicum um eine volle Eiszeit jünger als Penck; das Jungpalaeolithicum aber stellt er mit Ausnahme des Moustérien in die Nacheiszeit, weil er ein postglaziales Alter des Lösses annimmt, in dem diese Kulturen vielfach gefunden worden sind. Nach Obermaier-Schmidt gibt es ferner kein warmes, interglaziales, sondern nur ein kaltes, glaziales Moustérien. Penck setzt das Chelléen und Acheuléen in die vorletzte Interglazialzeit, trennt mit Recht das Moustérien in einen warmen und einen kalten Horizont, von denen er letzteren aber für den älteren hält und mit der Riß-Eiszeit parallelisiert, und setzt das Solutréen in die Zeit des Anwachsens und des Maximums der Wurm-Vergletscherung, obwohl er den Löß, in dem diese Industrie vielfach mit stark glazialer Fauna, z. B. in Predmost gefunden ist, aus stratigraphischen Gründen für interglazial hält. Bayer hat die Pencksche Auffassung des ,interglazialen" Lösses dann weiter benutzt, um in der letzten Zwischeneiszeit eine Steppenphase zu konstruieren, der er das Aurignacien und das Alt-Solutréen zuweist. In bezug auf das postglaziale Alter des Magdalénien stimmen beide Autoren mit Obermaier und Schmidt überein.