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Zur Chronologie des Palaeolithicums der Gegend von Weimar

Menzel, Hans

Kurzfassung

Die Chronologie des Palaeolithicums der Gegend von Weimar gründet sich naturgemäß auf die geologische Altersstellung der Fundschichten. Auf Grund der eingehenden faunistischen Arbeiten über die fossilführenden Kies- und Travertinablagerungen der Gegend von Weimar von den Herren Weiss und Wüst sowie auf Grund des Vergleiches mit gleichaltrigen fossilführenden Diluvialablagerungen, die ich in letzter Zeit in Fülle durchzuarbeiten Gelegenheit hatte, bin ich zu folgendem Urteil über die Diluvialablagerungen der Gegend von Weimar gelangt: 1. Ich stimme mit Herrn Wüst durchaus überein, daß der Fossilbestand der Ilmkiese (Conchylienbestand a) am Eingang der Parkhöhle bei Weimar glazialen Charakter trägt, die Terrasse, der die Kiese angehören, also einer Eiszeit entstammt. Der Conchylienbestand b aus den obersten Ilmablagerungen im Ulleschen Steinbruch und den untersten Travertinlagen bildet den Übergang zu der echt interglazialen Fauna der höheren Travertine. 2. Die Hauptmasse der Unteren Travertine mit der Antiquusfauna und dem überaus reichen Conchylienbestand von südosteuropäischem Charakter ist meiner Ansicht nach ebenfalls in Übereinstimmung mit Herrn Wüst - während einer recht gemäßigten, echten Interglazialzeit entstanden, die in der Tat einen etwas kontinentaleren Charakter besaß, als es unser heutiges Klima in Mitteldeutschland aufweist. Was das Alter dieser Interglazialablagerung anbetrifft, so bin ich ebenfalls der Meinung, daß sie der jüngeren Interglazialzeit des nördlichen Deutschlands (Pencks Riß-Würm-Interglazialzeit) angehört. Neben einer Reihe anderer Gründe spricht dafür das Vorkommen von Belgrandia sp., die sich in letzter Zeit in zahlreichen Ablagerungen dieses Alters gefunden hat. Diese Altersbestimmung würde dann dazu führen, die Ilmkiese unter den Travertinen als Bildungen der Riß-Eiszeit aufzufassen. 3. Im Gegensatz zu Herrn Wüst kann ich den Pariser weder petrographisch noch genetisch als einen Löß auffassen.