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Geologische Streifzüge in Coahuila.

Haarmann, Erich

Kurzfassung

Zum ersten Male wurden in Coahuila palaeozoische Schichten nachgewiesen, und zwar die präpermischen ,Delicias-Schichten" und Perm im Gebiete der Hacienda Las Delicias. Die Delicias-Schichten, die aus Konglomeraten, Sanden und Mergeln bestehen, sind in nächster Nähe von Festland abgelagert worden, dessen Bildung dieser Schichtenfolge also voraufgehen mußte. Sie selbst sind scharf nordöstlich gefaltet und fallen steil nach Norden, so daß ihr Bau dem der Appalachen sehr ähnlich ist, die im Obercarbon aufgefaltet wurden. Nach der Dislokation der Delicias-Schichten bildeten sich auf ihnen bei Las Delicias zur Permzeit Korallenriffe. In einer Zone im südlichen und südwestlichen Teile des Gebiets finden sich Oberer Jura und Untere Kreide, während im übrigen Cenoman die älteste bisher bekannte mesozoische Schichtstufe ist, so daß hier, wie es scheint, Verhältnisse eintreten, die denen in Texas ähnlich werden. Wir sahen, daß das jüngste Glied der Kreide, welches in Gebieten mit heute verschiedenen Höhenlagen in gleicher Facies auftritt, Turon (Unterturon) ist, daß jedoch, je weiter nach oben die Kreideschichten um so größere Unterschiede in der Facies und um so ungleichmäßigere räumliche Verteilung zeigen, und zwar mehren sich nach oben immer mehr litorale Kennzeichen, bis wir rein litorale Facien im Laramie sehen, welches vermutlich dem Danien und einem Teil des Senons entspricht. Zum ersten Male wurden auch im Gebiet des Bolsóns von Mapimí Schichten gefunden, die wahrscheinlich dem Laramie gleichaltrig sind, und die wir vorläufig ,Soledad-Schichten" nannten. Schon von anderen Autoren wurde im Gegensatz zu früheren Ansichten festgestellt, daß das heutige Mexiko im wesentlichen ein Faltenland sei. Auch für Coahuila ist dies zutreffend, und wir unterschieden dort in dem Faltenbau: die Mesa Central, hier der Bolsón von Mapimí, und die Sierra Madre Oriental. Geologisch sind diese Gebiete gleichartig, und sie unterscheiden sich nur dadurch, daß im abflußlosen Bolson von Mapimí die Kulissentäler zum Teil aufgefüllt sind, während sie in der Sierra ausgeräumt und tiefer erodiert werden. Zwei Faltungen ließen sich unterscheiden: eine generell nordwestlich und eine generell nordöstlich gerichtete. Von diesen war die nordwestliche die ältere und weitaus bedeutendere. Wir schlössen, daß das teilweise Landfestwerden im Ausgange der Kreidezeit auf vorhergehende, jedoch postturone Gebirgabildungen zurückzuführen sei und erkannten, daß damals die ältere der für die Gestaltung der heutigen Oberflächenformen maßgebenden Dislokationsperioden, welche die Schichten in nordwestlicher Richtung faltete einsetzte.