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Theoretische Grundlagen der experimentellen Tektonik.

Koenigsberger, Joh.; Morath, O.

Kurzfassung

Allgemein pflegt man im geologischen Unterricht die komplizierten Vorgänge bei der Gebirgsbildung durch einfache tektonische Modelle (Haut eines Apfels, Papier, Tücher) anschaulich zu machen. Manche Forscher haben dann das Ziel erstrebt, die Vorgänge in der Natur durch Modelle nachzuahmen und aus dem Verhalten des Modelles Schlüsse auf die Kräfte bei der Gebirgsbildung zu ziehen. - Wir erwähnen hier nur die Experimente Ton J. Hall, Favre, Daubrée, H. Schardt, H. Cadell, E. Reyer, B. Willis und namentlich von W. Paulcke, der eine eingehende klare notorische Übersicht der Arbeiten seiner Vorgänger gibt. Gerade in den neuesten Untersuchungen wird immer mehr Wert auf eine möglichst getreue Nachahmung der Natur gelegt, und es ist kein Zweifel, daß die Versuche von H. Schardt, von H. Cadell, von B. Willis, von W. Padlcke dem Ziel immer näher gekommen sind. Diese Vervollkommnung der Mittel ist durch ein richtiges Gefühl der experimentierenden Geologen erreicht worden, ohne daß einer derselben hätte beweisen können, daß seine Anordnung wirklich besser als die früher war. Die Ergebnisse können nicht als Beweis dienen; den sie sollen gerade die Beobachtungen in der Natur kontrollieren Wir haben uns deshalb die Frage vorgelegt, wie ein Modell beschaffen sein muß, damit es möglichst genau die Vorgang in der Natur wiedergibt. H. von Helmholtz hat zuerst das Problem des hydrodynamischen und aerodynamischen Modells theoretisch erschöpfend behandelt; das Studium an Modellen in der Praxis ist heute im Schiffsbau und Flugzeugbau allgemein üblich. - Auch in der Elastizitätslehre fester Körper und den damit zusammenhängenden tektonischen Problemen der Gebirgsbildung ist eine exakte Angabe der Beschaffenheit eines wirklich naturgetreuen Modells möglich. Das Problem ist mathematisch ziemlich einfach; wir wollen uns aber hier darauf beschränken, den Gedankengang der Ableitung darzulegen.