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Der Gebirgsbau der lombardischen Alpen.

Rassmuss, H.

Kurzfassung

Die Alpengeologie wird gegenwärtig von der Theorie des einseitigen Schuhes beherrscht. In kühner Konsequenz hat diese zu der großartigen Konstruktion der Überschiebungsdecken geführt, die ein gewaltiger einseitiger Schub von Süden her übereinandergetürmt haben soll. Die ostalpine Decke, überlagert die lepontinischen und helvetischen Decken der Westalpen. Ein asymmetrischer Bau kennzeichnet die Faltengebirge. Die südlichen Kalkalpen, deren Bewegung nach Süd gerichtet ist, werden daher von Eduard Suess von den Alpen abgeschieden und mit den dinarischen Ketten zu den Dinariden zusammengefaßt, die sich nach Osten in den Tauriden nach Asien fortsetzen. Während die Alpiden, im Rahmen der präpermischen Gebirge posthum gefaltet, sich durch ihre Bewegungsrichtung von dem asiatischen Bau der Altaiden unterscheiden, behalten die Dinariden das kennzeichnende Merkmal der asiatischen Grenzbögen in der Bewegung nach Süden bei Erkennt E. Suess damit den Südalpen eine gewisse Gleichstellung mit den Nordalpen zu und versucht die Einseitigkeit des Baues der Gebirge durch die scharfe und vollständige Trennung dieser beiden Gebirgsteile aufrecht zu erhalten, so versuchen neuere Arbeiten von Tilmann (52,53) und R. Wilckens (57) wiederum, auf ältere Ansichten von Suess zurückgreifend die südlichen Kalkalpen nur als ein Absenkungsgebiet der Alpen zur Poebene und Adria anzusehen und intensivere nach Süd gerichtete tangentiale Kräfte zu leugnen. Ich habe am Ende meiner Arbeit über die südöstliche Alta Brianza (40) den Gebirgsbau der lombardischen Alpen kurz zu schildern versucht; weitere Untersuchungen, die ich in den Bergamasker und Brescianer Alpen ausführte, sowie neue wichtige Arbeiten des hochverdienten Brescianer Geologen G. B. Cacciamali erlauben jetzt ein vollständigeres Bild zu geben.