Original paper

Über den Bau alpiner Gebirge.

Lachmann, R.

Kurzfassung

Die Vorstellung von der Einheitlichkeit in der Bildung Ton Gebirgen hat in den letzten Jahrzehnten durch die Fortschritte in der Erkenntnis vom Bau der Alpen starke Einbuße erlitten. Nicht Faltenwellen sind es wie im Jura, in den Appalachen und im Ural, welche den Grundtypus des alpinen Gebirgsbaues darstellen, sondern dünne Bewegungslamellen, Decken genannt, welche durch Bewegung vornehmlich in horizontaler Richtung übereinandergeschichtet worden sind. Die von Schardt, Lugeon und Termier begründete, von Steinmann, Suess und Uhlig übernommene und ausgebildete Deckenlehre will den Aufbau der Alpen in der Weise erklären, daß die vier heute im Alpenkörper vereinigten helvetischen, lepontinischen, ostalpinen und dinarischen Massen Fig. 1) nach Süden zu auseinanderzureihen sind und hier vor der Alpenfaltung nebeneinander als besondere Sedimentationsbezirke gelegen haben. Im einzelnen bestehen nun diese vier Zonen nicht aus einer einzigen liegenden Falte oder Überschiebungsdecke, sondern die helvetischen und lepontinischen Anteile der Alpen werden wieder in je bis zu acht Decken, die ostalpine Regie in mindestens zwei Decken aufgelöst, die ihre Lage zueinander durch Schub von Süden nach Norden unabhängig von der entgültigen Zonengruppierung erhalten haben müssen. Wie stark die Komplikation innerhalb der einzelnen Deckensysteme gedacht wird, zeigen die Argandschen Profile durch das lepontinische Gebiet im Wallis. Aber selbst mit dieser außerordentlichen Massenkonzentration durch Südschub kommt die Deckenlehre nicht aus. Arnold Heim und Kober haben in weitgehendem Maße von der Hilfstheorie der Deckeneinwickelung Gebrauch gemacht. Bei dieser Vorstellung war noch nach der Überschiebung der vier Hauptzonen im Körper der Alpen ein starker Südschub am Werke, durch welchen beispielsweise der hangendste Teil des Lepontinums (Radstädter Tauerntrias) in den liegendsten Teil des Ostalpinums (Quarzite und Gneise) eingefaltet und in dieser Umhüllung um mehr als 50 km nach Norden verfrachtet ist.