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Zur Tektonik der Insel Capri.

Arlt, H.

Kurzfassung

Nach allgemeiner Ansicht ist die Gestalt Capris durch Brüche bedingt. Daß sich aber außer jenen vertikalen Bewegungen auch horizontale auf dieser Insel nachweisen lassen ist eine Behauptung Roveretos. In einer kurzen Notiz führt jener Autor aus, daß die cretaceischen Kalke Capris in Form einer liegenden Antiklinale von Westen her über den Macigno herübergeschoben seien. Rovereto erscheint somit als einer der ersten unter den italienischen Geologen, der für den tektonischen Aufbau des Apenninengebirges horizontale Bewegungen in Rechnung zieht. Da derartige tektonische Anschauungen in Italien heutzutage noch fast allgemein nur als phantastische angesehen werden, erfahren seine Äußerungen in der Literatur seines Heimatlandes heftige Ablehnung. G. De Lorenzo versucht die Behauptung Roveretos, Capri sei als ein Deckenland aufzufassen, zu widerlegen. Unter der Voraussetzung ausschließlich vertikaler Schollenbewegungen faßt er das Verbandsverhältnis von Ellipsactinienkalk und Macigno in folgender Weise auf: Der eocäne Flysch, welcher ursprünglich normal den cretaceischen Kalk bedeckte, wurde durch die Erosion von den höheren Partien entfernt, während er an den tieferen Teilen erhalten blieb, wo er neben die Gleitflächen der gehobenen bzw. gesenkten Kalkschollen zu liegen kam. So sind der Mte. Tiberio, der Mte. S. Michele und der Mte. Solare als Schollen durch treppenförmige Verwerfungen voneinander getrennt, und jeweils an den tiefsten Stellen der gesenkten Schollen findet sich der eocäne Flysch in Fetzen. Gelegentlich meiner Anwesenheit auf Capri im Frühjahr dieses Jahres lenkte ich mein Augenmerk auf diese Lagerungsverhältnisse und suchte die von Drecke angeführten Stellen auf, ,wo die eocänen Schichten an einer Verwerfung bei Lo Capo am Nordfuße des Tiberiofelsens in einzelnen Fetzen kleben und sich zwischen der Marina grande und der Blauen Grotte in kleinen Schollen zwischen den Gehängebreccien zu erkennen geben".