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Aufpressung und Explosion oder nur Explosion im vulkanischen Ries beiNördlingen?

Branca, W.

Kurzfassung

In einer Arbeit über die Frage, ob Intrusionen notwendig Hand in Hand gehen müssen mit einer Aufpressung des Hangenden, habe ich gezeigt, daß diese Frage nicht nur bejaht werden muß, sondern daß sie, wie leicht einzusehen, sogar einen mathematisch genauen Ausdruck des Betrages dieser Aufpressung gestattet. Die Werte, zu welchen man gelangt, sind indessen erklärlicherweise verschiedene, je nachdem man auf dem wohl Ton der ganz überwiegenden Mehrzahl der Geologen eingenommenen Standpunkte steht, daß der Schmelzfluß bereits als solcher, durch irgendeine Kraft getrieben, aus tieferem Niveau in höheres hinaufsteigt und dort eine Intrusion bildet. Oder ob man, von E. Süss' Standpunkt aus, annimmt, daß heiße Gase aufschmelzend durch die längst hartgewordene Erdrinde empordringen und dann, sich auch seitlich einschmelzend, erst eine Intrusionsmasse neu erzeugen. So ergeben sich eine ,Aufsteig"- und eine ,Aufschmelz"-Hypothese. Ich schicke im folgenden (A) eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Arbeit voraus, um dieselben dann auf die Verhältnisse im vulkanischen Ries bei Nördlingen anzuwenden. A. Allgemeines über Aufpressung bei Intrusionsbildung: I. Aufsteiglehre. Aufpressung durch Druck: Ein aufsteigender bzw. aufgepreßser Schmelzfluß, der eine Intrusion bildet, kann unmöglich, als wäre er ein wesenloses Ding in eine feste Gesteinsmaase sich hineinbegeben, ohne daß aus letzterer ein dem Volumen der Intrusionsmasse mindesten gleiches Volumen verdrängt wird. Diese Verdrängung aber kann nur nach oben hin stattfinden, das Hangende muß also aufgepreßt werden. Hierbei ist es gleichgültig, ob der betreffende Hohlraum durch Aufblättern der Schichten infolge von Gebirgsdruck entstand, oder ob das Magma ihn sich selbst erst schafft, indem es sich gewaltsam in die Schichten eindrängt