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Mitteilungen über Wirbeltierreste aus dem Mittelpliocän des Natrontales (Ägypten).- 1. Affen.

Stromer, Ernst

Kurzfassung

Über Wirbeltierreste aus dem fluviomarinen Mittelpliocän des Natrontales habe ich nach Studers (1898) und Andrews' (1902) Vorgang hauptsächlich auf Grund eigener Aufsammlungen schon in den brieflichen Mitteilungen dieser Zeitschrift (1902) und ausführlicher in den Abhandlungen der Senckenbergischen Gesellschaft (1905) publiziert. Auf meiner dritten Reise nach Ägypten, im Winter 1910 bis 1911, konnte ich bei nur eintägigem Aufenthalt im Tale zu den Beobachtungen über seine Geologie, die ich in letzteren veröffentlichte, keine Nachträge machen, außer daß ich unten am Südwesthange, ein wenig westlich von Der Amba Bischoi in einem für die Natronfabrik betriebenen Steinbruch unter einer Bank von gut erhaltenen Ostrea cucullata etwa 2 m grauen Sandstein, 1 m graugrünen salzhaltigen Ton und mindestens 1,5 m rein weißen, sehr weichen Kreidekalk fand. Ich ließ aber mit gütiger Erlaubnis der Salt and Soda Co., der ich ebenso wie dem Survey of Egypt für wiederholtes Entgegenkommen sehr zu Dank verpflichtet bin, den tüchtigen Sammler Markgraf mit mehreren Arbeitern in dem weißen Sand am Fuße des Garet el Muluk vier Wochen lang graben. Das Ergebnis war leider insofern ein unbefriedigendes, als sich fast nur einzelne Zähne, bezahnte Kieferteile und Knochenbruchstücke, wenn auch in vorzüglicher Erhaltung fanden. Die Vermutung Studers (a. a. O. S. 73), daß Raubtiere die Reste zertrümmerten, erscheint mir nun gerechtfertigt. Ich glaube, daß es vor allem Krokodilier waren, welche die Knochen zerbissen; denn in einem Beinknochen eines jungen Paarhufers sieht man noch deutlich die Eindrücke ihrer Zähne. Sie haben wohl die zur Tränke kommenden Landsäugetiere an den Platz, wo sie ihre Beute zu verzehren pflegten, geschleppt. Die Fauna, die im wesentlichen die einer Süßwasserablagerung ist, erscheint trotz ihrer Unvollständigkeit als ziemlich mannigfaltig. Ich erwähne nur das Wichtigste nach vorläufiger Sichtung. Am häufigsten sind Welsreste (besonders Synodontis), ein Haifisch ist durch einen Lamnidenzahn, der Lungenfisch Protopterus aff, anectens Owen durch einen Palatoquadratzahn vertreten.