Original paper

Über tiefgründige chemische Verwitterung und subaerische Abtragung.

Fliegel, G.

Kurzfassung

Die jahrzehntelang fast ausschließlich herrschend gewesene Anschauung von der Abrasion ehemaliger Festländer durch die über sie hinschreitende Brandungswoge des Meeres ist zum Teil durch allgemeine geologische Erwägungen, besonders aber durch die morphologischen Studien der neueren Zeit stark eingeschränkt und in vielen Fällen durch die Annahme einer subaerischen Abtragung ersetzt worden. Jede solche Abtragung unter dem Einfluß der Atmosphärilien ist mit einer intensiven Verwitterung verbunden und hat die Auflockerung des Gesteins durch mechanisch und chemische Einflüsse zur Voraussetzung. Die Produkte der Verwitterung sind naturgemäß nur unter günstigen Umständen in Abtragungsresten erhalten und uns dann gleichsam fossil überliefert. Als Begleiterscheinungen der terrestrischen Abtragung sind sie in Zweifelsfällen für den Nachweis der Art der Abtragung von Bedeutung und wegen der Schlüsse interessant, die hinsichtlich der wirksam gewesenen Faktoren der Verwitterung, des Klimas usw. auf sie aufgebaut werden können. Anregungen, die in dieser Beziehung das Rheinische Schiefergebirge bietet, glaube ich daher zur Sprache bringen zu sollen, zumal gerade hier der Anteil der Atmosphärilien und des Meeres an der Abtragung stark umstritten ist. Sie gehen über das, was ich in der Literatur von solchen chemisch-geologischen Vorgängen angegeben finde, insofern hinaus, als sich hier sehr verschiedenartige Beobachtungen ergänzen und zu einem einheitlichen Bilde zusammenfügen. Besonders aber läßt der Schichtenverband, in dem wir die durch Verwitterung veränderten Gesteine vorfinden, wie wir sehen werden, bestimmte Rückschlüsse auf die Zeit der subaerischeu Abtragung zu.