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Über den Zweck enger Artbegrenzung bei den Ammoniten

Wepfer, E.

Kurzfassung

Der Titel, den ich meinen Worten vorgesetzt habe, bedarf einer Erläuterung; lange habe ich geschwankt, wie ich ihn wählen sollte, um Mißverständnissen vorzubeugen. - Eins vor allem: es liegt mir fern, mich ganz allgemein an die Frage der Abgrenzung des Artbegriffes heranzuwagen. "Wenn ich an die Worte Neumayrs denke, der ror mehr al« 20 Jahren gesagt hat (Stamme des Tierreichs): ,Species in der Paläontologie lediglich nach dem Vorhandensein oder Fehlen von Übergängen zu unterscheiden, ist nicht mehr als ein Spiel. - Leider ist diese Überzeugung noch nicht allgemein zum Durchbruch gekommen, und man hört und liest seltsamerweise noch oft genug ausgedehnte Auseinandersetzungen über die Frage, ob zwei der Zeit nach aufeinanderfolgende Formen als gute Arten oder nur als Varietäten ein und derselben Art zu betrachten seien,"-da muß ich zu dem Schluß kommen, daß die theoretische Erörterung der Frage nach der Abgrenzung des Artbegriffs an sich ja ganz ersprießlich ausfallen kann, daß sie im Grunde aber nur ein Streit um des Kaisers Bart ist. - Gegenüber den zahlreichen Erörterungen über dieses Thema, die mehr oder weniger auf die Aufstellung gewisser Grundsätze hinauslaufen, möchte ich meiner Meinung Ausdruck geben, daß die Entscheidung über die Abgrenzung der Art in jedem Fall eine empirische Tatsache sein sollte: Es gibt kein Rezept für die Artenabgrenzung. Eins aber steht fest; der zoologischen kann die paläontologische Art nicht gleichgestellt werden, dazu fließt sie in ihrem Werden und Sichrerändern zu sehr dahin. ,Der Speciesbegriff ist," sagt Neumayr, ,sobald man mit einigermaßen vollständigem Material zu tun hat, in der Paläontologie unfindbar und unanwendbar, und muß aus ihrem Bereich verschwinden."-Das gilt heute ebenso wie zu Neumayrs Zeiten; und es ist nicht schwierig, aus der Literatur, soweit sie sich mit der Frage der Artabgrenzung beschäftigt, den Nachweis zu führen, daß keine einzige Definition der paläontologischen Art mit der normalen zoologischen Art gleichgesetzt werden kann, einfach wegen des Begriffs der zeitlichen Abgrenzung.