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Die Entstehung der Schollengebirge

Quiring, H

Kurzfassung

Terminologischer Überblick; Versuchen wir die Lageveränderungen, welche die Erdrinde in ihrer Gesamtheit oder in einzelnen Teilen im Laufe der geologischen Zeiten erfahren hat - soweit sie auf die Wirkung und den Ausgleich endogener Kräfte und Spannungen zurückgeführt werden können -, von theoretischen Gesichtspunkten aus zu ordnen, so haben wir zunächst zwei Hauptgruppen zu unterscheiden: es stehen die Lageveränderungen, die sich ohne Zerlegung eines Rindenteils in Schollen vollziehen, denen gegenüber, bei denen sich derartige Schollen ausbilden. Die erste Gruppe begreift die Lageveränderungen der kontinentalen Hebung und Senkung sowie die Bewegungen, die unter plastischer Deformation einzelner stark beanspruchter Zonen zur Bildung von Falten und Flexuren geführt haben. Zur zweiten Gruppe wären dagegen alle Krustenbewegungen zu zählen, bei denen unter Ausbildung von Einzelschollen eine Bewegung dieser Schollen gegeneinander auf Verschiebungsflächen (Störungen) eingetreten ist. Nach ihren Beziehungen zu den durch sie getrennten Schollen und ihrer Wirksamkeit unterscheiden wir im einzelnen: 1. Sprünge: Störungen, auf denen eine vornehmlich vertikale Verwerfung der benachbarten Schollen gegeneinander stattgefunden hat. 2. Blätter: Störungen, auf denen eine vornehmlich horizontale Verschiebung der Schollen eingetreten ist. 3. Überschiebungsflächen: Störungen, die eine Überschiebung einzelner Rindenteile übereinander und Aufschiebung aufeinander vermittelt haben. Ein Stammbaum der verschiedenen Lageveränderungen würde unter diesem Gesichtspunkt folgendes Bild zeigen: ... Abgesehen von den zahlreichen Übergängen entstehen durch das Zusammentreffen von Lageveränderungen verschiedener Art, z.B. von Faltung und Überschiebung, Reihen von Komplikationen, die in theoretischer Betrachtung nur unter Schwierigkeiten zu erfassen sind. Wir können jedoch die Lageveränderungen noch einer zweiten Gruppierung unterwerfen, die unter dem Gesichtspunkt ihrer Entstehungsursache zu erfolgen hat.