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Vergleichendanatomische und biologische Untersuchungen einer neuen Rudistenfauna aus Friaul

Klinghardt

Kurzfassung

A. Anatomische Resultate: Die Fundstelle befindet sich am rechten Ufer des Torrente Colvera bei Maniago in Friaul. Die Schichten der Rudistenfauna gehören, wie besonders die Orbitoiden zeigen, sicherem Maastrichtien an. Während bis jetzt von dieser Stelle nur eine Rudistenart bekannt war (Joufia reticulata G. Boehm), gelang es mir - bei einem prinzipiell sehr weitgefaßten Artbegriff -, 23 verschiedene Rudistenarten in dem zurzeit einzigen kleinen Steinbruche nahe ,Poffabro" nachzuweisen. Die im folgenden aufgezählten wichtigsten Resultate gründen sich auf ea. 250 Präparate von Rudisten Maniagos und ein sehr zahlreiches Vergleichsmaterial aus Südeuropa, Kalifornien, Jamaika usw. - 1. Bei folgenden Rudisten gelang es, den Schloßapparat nebst dem prachtvoll erhaltenen versteinerten Ligamente freizulegen: Joufia reticulata G. Boehm, Radiolites muiculoms n. sp., Colveraia variabilis n. g. n. sp., Sabinia sinuata Parona, Radiolites styriacus Zittel u.a. m. Dabei ergab sich, daß zwar die Lage der Zähne bei den Rädiolitiden recht konstant, ihre Gestalt und die Art ihres Eingreifens in die andere Klappe aber sehr verschieden ist. Das in vielen Fällen versteinert erhaltene Band ließ elastische und unelastische Bestandteile deutlich erkennen. 2. Es läßt sich zeigen, daß die bis jetzt als kalkige Böden, Blasen, Maschen, Hohlprismen und Kanäle beschriebenen morphologischen Elemente (wahrscheinlich auch die akzesiorischen Hohlräume) biologisch eine Einheit bilden und im Prinzip auf die Tendenz einer Schalenauflockerung zurückzuführen sind. Die sog. ,Kanäle" greifen niemals tief in die Schale hinein.