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Über das Alter des diluvialen Menschen in Deutschland

Wiegers, Fritz

Kurzfassung

Unsere Kenntnisse über die Paläontologie des Menschen sind im langsamen Wachsen begriffen, sowohl die Kenntnis der Skelettreste wie die der diluvialen Werkzeuge, die von menschlicher Hand geformt sind. Obwohl letztere bisher hauptsächlich als prähistorische Arbeitsmaterie angesehen wurden - betreffen sie doch die Kultur des Menschen - so scheint mir doch immer deutlicher zu werden, daß die Wissenschaft vom Diluvialmenschen mehr eine geologische als eine urgeschichtliche Disziplin ist. Die richtige geologische Altersbestimmung der Fundschichten kommt in erster Linie als wichtigste Grundlage in Betracht. Die Geologie allein gibt uns Aufschluß über die Lebensbedingungen des Diluvialmenschen, die geographische Gestaltung Mitteleuropas zur Quartärzeit, über die Grenzen Ton Festland und Meer, über die damaligen großen Flüsse, über das Klima, die Tier- und Pflanzenwelt. Die Geologie lehrt uns die seitherigen Veränderungen in der Oberflächengestaltung des Landes erkennen und verstehen, sie erklärt uns die Entstehung der Fundschichten und warum wir z.B. hier einen alten Flußkies mit Acheuleen auf einer Berghöhe und 100 km weiter, an der Küste, denselben Flußkies mit der gleichen Industrie 10 m unter dem Meeresspiegel finden. Der Geologe (resp. der Paläontologe) bestimmt das Material der Stein- und Knochen Werkzeuge und seine Herkunft; das Holz, das der Diluvialmensch zum Brennen benutzt hat aus den kohligen Resten, die in den Aschenschichten erhalten geblieben sind; die Knochen der Tiere, deren Fleisch zur Nahrung, deren Fell zur Kleidung, deren Zähne zum Schmuck gedient haben, ebenso, wie die oft weit hergeholten, damals rezenten oder schon fossilen Muscheln und Schneckenschalen, die durchbohrt und aufgereiht zur Verzierung des Körpers oder der Kleidung benutzt wurden. ...