Original paper

Über den Fund eines Moschusochsenschädels im Diluvium des Emschertales

Kukuk, Paul

Kurzfassung

Bei der Besichtigung einer ungeordneten Privatsammlung fossiler Säugetierreste aus dem Emscherdiluvium im niederrheinisch-westfälischen Industriebezirk fiel mir vor kurzem ein eigenartiges Schädelfragment in die Augen, das ich als den Schädel eines Moschusochsen erkannte. Da fossile Reste vom Moschusochsen, insbesondere guterhaltene Schädel dieses Tieres, sowohl in Deutschland als in Europa und Asien überhaupt immer noch recht selten sind, ferner weder in der älteren noch in der neueren Literatur über das Diluvium des Industriereviers das Vorkommen von Resten des Moschusochsen erwähnt wird, und schließlich solche Funde aus dem niederrheinisch-westfälischen Diluvium meines Wissens auch in keiner anderen Sammlung vorhanden sind, so dürfte eine kurze Mitteilung über den Fund eines trefflich erhaltenen Ovibos-Schädels unter Beigabe einiger Abbildungen in mehrfacher Hinsicht weiterem Interesse begegnen. Meinen weiteren Ausführungen sei eine kurze Beschreibung des Schädels mit dem Bemerken vorausgeschickt, daß ich meine Darstellung, insbesondere den Schädelbefund, als vorläufige Mitteilung betrachten mochte. Das Schädelfragment stellt sich als ein mit beiden Hornzapfen, Hinterwand, Seitenwänden und Schädelbasis versehener Gehirnschädel dar, dessen Gesichtsknochen sämtlich fehlen, ein Erhaltungszustand, wie er bei fast allen fossilen Schädeln vom Möschusochsen beobachtet wird. Erfreulicherweise ist der Erhaltungszustand des Schädelrestes im übrigen ein ganz vortrefflicher, da er, abgesehen von dem Fehlen der erwähnten Knochen, fast gar keine Abrollung, sondern nur geringe Beschädigungen aufweist. Das Schädeldach wird fast völlig von den trapezförmig gestalteten, breiten Sockeln der Hornzapfen eingenommen (s. Fig. 1), die sich bis zu mehreren Zentimetern über Stirn- und Scheitelbeine erheben.