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Nachträgliche Bemerkungen zum Vortrage von Herrn Wiegers.

Gagel, C.

Kurzfassung

Im Anschluß an die vorstehenden Ausführungen (S. 541 bis 567) von Herrn Wiegers mochte ich hervorheben, daß wir in Schleswig-Holstein durch die großen Aufschlüsse am Kaiser-Wilhelm-Kanal die augenscheinlichsten Beweise dafür erhalten haben, daß die paläolithischen Kulturen erheblich tiefer als das jüngere Interglazial herunter reichen. Dort war in kilometerlangen, einwandfreien Profilen folgende Schichtenfolge zu beobachten von oben nach unten: 1. Grundmoräne der letzten Vereisung, z. T. in sandiger Facies, aber mit großen, geschliffenen Geschieben. 2. Vorschüttungssande. 3. Interglazialtorf mit Brasenia purpurea und zahlreichen wärmeliebenden Pflanzen sowie mit Paläolithen. 4. Interglaziale Verwitteruqgs- und Ferettisierungszone mit Paläolithen im älteren Diluvialkies. 5. Oberste Bank des Unteren Geschiebemergels. 6. Kies und Sandschicht, interstadial, mit Paläolithen, darunter ein sehr schöner prismatischer Messerspan. 7. Hauptbank des Unteren Geschiebemergels. Es ist durch diese einwandfreien, einheitlichen (nicht Kombinations)-Profile erwiesen, daß in Schleswig-Holstein der paläolithische Mensch schon während eines Interstadiums innerhalb der Haupteiszeit gelebt und einwandfreie Artefakte (prismatische Messerspäne, nicht rohe Absplisse) hergestellt hat. Die archäologische Bearbeitung dieser Artefakte wird demnächst von berufener Seite erfolgen.