Original paper

Über das Verhältnis der Geographie zur Geologie-Paläontologie und die Frage einer Teilung der Geologie-Paläontologie.

Branca, W.

Kurzfassung

Daß die moderne Geographie weit ausgedehntere Berührungspunkte mit der Geologie bekommen hat, als das früher der Fall war, ist eine allgemein bekannte Tatsache. Sie findet ihren Ausdruck darin einmal, daß gewisse Abschnitte der Lehrbücher der Geographie nichts anderes sind als Geologie, und zweitens darin, daß auch die Arbeiten mancher Geographen mehr oder weniger geologischen Inhalts sind. So erklärt es sich leicht, wenn von geologischer Seite wohl allgemein Verwahrung eingelegt wird gegen die Versuche der Geographie, Teile der Geologie als geographisches Besitztum zu erklären. Meiner Ansicht nach genügt es, die Tatsache festzustellen, daß Teile dessen, was von Geographen als Geographie erklärt wird, in Wirklichkeit zur Geologie-Paläontologie gehören. Eine öffentliche Verwahrung dagegen auszusprechen, wozu ich von kollegialer Seite einmal aufgefordert war, erscheint mir überflüssig und nutzlos: Einmal, weil jeder, der den Dingen auf den Grund gehen will, das ohne weiteres zugeben muß. Geologie ist und bleibt ja Entwicklungsgeschichte der Erde und der Lebewelt (Historische Geologie). Geographie, in der alten Form, beschrieb und klassifizierte die Oberflächenbildungen der Erde; in der neuen Form sucht sie auch noch die Entstehungsweise, die Entwicklung derselben festzustellen. Damit aber wird sie Geologie, arbeitet sie geologisch und darf das, wenn sie logisch bleiben will, auch nicht anders benennen als ,Geologie". Es ist daher ganz folgerichtig und eine Bestätigung dessen, was ich sage, wenn der Berliner Vertreter der Geographie, Penck, kürzlich von sich gesagt hat, er sei auch Geolog. Ich komme noch einmal darauf zurück, um das genauer zu umgrenzen. Zweitens, weil Wissenschaft frei ist, es also völlig in jedermanns Belieben steht, wissenschaftlich zu arbeiten, was und wo er mag; folglich es auch dem Geographen freisteht, auf geologischem Gebiete zu arbeiten, so viel er will.