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Exkursion nach Stettin and Nörenberg

Philipp, H.

Kurzfassung

An der Exkursion nach Stettin und Nörenberg vom 3.-5. August nahmen 15 Herren teil. Am Nachmittage des ersten Tages fuhr man mit den halbstündlich verkehrenden Lokaldampfern von Stettin in 3/4 Stunde Oder abwärts nach Kratzwieck zur Besichtigung der großen Aufschlüsse im Mitteloligozän, die an der Straße zwischen hier und Cavelwisch durch die Ziegeleiindustrie geschaffen sind. In der Schwinningschen Grube, der zweiten von Kratzwieck aus, tritt die Zweiteilung des Mitteloligozins in die liegenden Septarientone und die hangenden Stettiner Sande klar zutage, wenn auch die Lagerung im einzelnen durch Quellungen im Ton und Abgleiten der hangenden Sande vielfach sehr kompliziert ist, so daß man früher lange im unklaren über die Altersbeziehungen beider zueinander gewesen ist. Der hier dunkelgrau bis braunschwarze Septarienton ist zum Teil recht sandig; Versteinerungen sind auffallend selten, doch zeigen sich in den tiefen Teilen der Grube massenhaft die meist sehr regelmäßig, z. T. birnenförmig gestalteten Septarien;" ebenso finden sich gelegentlich gute Gipsrosetten. Die gelb bis rostbraun gefärbten Stettiner Sande im oberen Teil der Grube gliedern sich hier in einen massigen, rein sandigen, leicht zerreiblichen Komplex, und einen zweiten, in dem sandige Schichten mit festen kalkreichen Bänken wechseln. Letztere Partie ist steil gefaltet, während in den massigen Sanden die Störung sich durch zahllose sich kreuzende Sprunge ausprägt. Ob diese Verquetschungen bzw. Stauchungen hier gleichfalls durch Abrutschen oder durch glazialen Druck erfolgt sind, ist zweifelhaft. Bereits an dieser Stelle konnte man sich ron dem Reichtum an Fossilien der Stettiner Sande überzeugen. Diese liegen entweder lose in den Sanden, meist jedoch schichten weise in konkretionär verhärteten Bänken oder als isolierte Individuen im Kern einzelner, regelmäßiger sogenannter Stettiner Kugeln, die sich durch ihre hohe Härte auszeichnen. Sehr reich an Versteinerungen erwiesen sich die Aufschlüsse in der Havemannschen Grube dicht Tor Öavelwisch, wo als häufigstes Fossil Fusus multiaulcatus oft ganze Bänke zusammensetzt.