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Beiträge zur Stratigraphie und Tektonik des Simplongebietes

Rothpletz, A.

Kurzfassung

Einleitung: Eine sichere Altersbestimmung der Schichtgesteine in dem Simplongebiet ist bisher nicht geglückt. Die wenigen Versteinerungen, die gefunden worden und leidlich gut erhalten sind, liegen in den Kalkschiefern im Süden des Aarmassives. Der Art nach sind sie unbestimmbar, doch ist ihr Habitus ein liasischer. Nach den Lagerungsverhältnissen und der Gesteinsbildung hat man versucht, die anderen, versteinerungsfreien mit diesen versteinerungsführenden Schichten in eine chronologische Beziehung zu bringen. Diese Versuche sind aber recht verschiedenartig ausgefallen. Am meisten hat Gerlachs Einteilung Anklang gefunden. Er unterscheidet vom Jüngeren zum Älteren: 1. Lias: Kalkstein und Kalkschiefer; 2. Trias: Glanzschiefer (schistes lustrés) mit Dolomit, Rauhwacke, Gips und Quarzit, von denen der Glanzschiefer mit Gips- und Rauhwacke-Einlagerungen vielleicht zu oberst, Kalk, Dolomit und Quarzit zu unterst liegen; 3. Carbon: schwarze bis graue, glimmerige Schiefer und Quarzite, lokal mit Anthracit und Graphit; 4. die jüngeren metamorphen Schiefer: Chlorit, Talk- und Hornblendeschiefer, sowie Serpentin, wechsellagernd mit Kalkglimmerschiefern und Cipolinen; 5. die älteren mefamorphen Schiefer: vorherrschend Glimmerschiefer mit Einlagerungen von Chlorit- und Hornblendeschiefern, sowie Gneis; 6. die jüngeren Gneise: mit Einlagerungen von Glimmerschiefern, Marmor, Dolomit und Serpentin: Crodo-, Lebendun-, Binnental-, Monte Leone-, Monte Rosa-, Sesia- und Stroma-Gneise; 7. die älteren Gneise: Antigorio-Gneis, Ungewiß blieb Gerlach darüber, ob die Glimmerschiefer, Kalkglimmerschiefer, Marmore, Dolomite und Hornblendeschiefer des Deverogebietes zu 2 oder 5 zu stellen sind, doch hielt er ersteres für das Wahrscheinlichste. Von den in Granit und Arkesin übergehenden Gneisen des Dentblanche-Gebietes, die Einlagerungen von Gabbro, Diorit, Hornblendeschiefer, Serpentin, Marmor und Glimmerschiefer enthalten und von Eurit- und Granitgängen durchsetzt sind, sagt er, daß sie über 5 liegen, und daß diese Auflagerung ,ein Rätsel ist und bleibt". Ganz anders war die Auffassung B. Studers, die er schon 1853 in seiner Geologie der Schweiz veröffentlicht hatte und auch noch aufrecht erhielt, als nach dem 1871 erfolgten Tode Gerlachs das von diesem aufgenommene Blatt XXIII erscheinen sollte. Er veranlaßte eine zweifache Auflage. Die eine, mit A (rechts oben in der Kartenecke) bezeichnete, gibt Gerlachs, die mit B bezeichnete Studers Gliederung wieder. Dem Alter nach unterscheidet Studer hier Kalke unbestimmten Alters, triasischen Gips und Rauhwacke, Dolomit und Quarzit, während er alle Gneise, Glimmerschiefer Grünschiefer, Hornblendeschiefer und Serpentine nur als aus einer Metamorphose jener Sedimente hervorgegangen, also stofflich gleichalterig, betrachtet. ...