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Beiträge zur Geologie des Aarmassivs. (Untersuchungen über Erstfelder Gneise und Innertkirchener Granit.)

Lotze, R.

Kurzfassung

Zusammenfassung der Resultate: In der sogenannten ,nördlichen Gneiszone" des Aarmassivs sind zwei verschiedene, scharf begrenzte Gesteinsgruppen zu unterscheiden: die Erstfelder Gneise und der Innertkirchener Granit. Der Komplex der E. Gn. ist in erster Linie zusammengesetzt aus körnig-schuppigen Biotitgneisen mit gut ausgebildeter Lagentextur. Schon Heim bezeichnet diesen Typus als außerordentlich konstant. Die Struktur dieser Gesteine schließt eine Entstehung durch bloße Druckmetamorphose oder durch Krystallisationsschieferung aus; die regelmäßige Zusammensetzung spricht gegen die Deutung dieser Gesteine als injizierte Schiefer. Vielmehr finden sich deutliche Anklänge an Eruptivstruktur; das Gestein ist als reiner Eruptivgneis (Orthogneis) anzusprechen. Von ihm unterscheidet sich scharf ein feinkörniger Gneis mit kleinen Biotitblättchen, der schon in seinem Auftreten an ein sedimentäres Gestein erinnert. Die krystalloblastische Struktur und die wechselnde chemische Zusammensetzung des Gesteins stimmen zu der Ansicht, daß es sich um einen Sedimentgneis handelt. An verschiedenen Stellen finden sich Einlagerungen von Kalk und Kalksilikatfels. Besonders interessant sind Wollastonitgesteine vom Sustenpaß. Meist tritt der Sedimentgneis nicht in vollständiger Reinheit auf; es finden sich in ihm aplitische oder pegmatitische Gänge, die sich zuletzt in feine Adern auflösen. Diese Gneise sind demnach als Mischgneise zu bezeichnen. Die einzelnen Gesteinstypen weisen nun enge Verwandtschaft mit den Gneisen des Schwarzwalds auf: die Eruptivgneise entsprechen strukturell und chemisch den Schapbachgneisen, die Sedimentgneise den Renchgneisen. Besonders überraschend ist die Übereinstimmung der Einlagerungen von Kalksilikatgesteinen im Erstfelder Sedimentgneis mit entsprechenden Vorkommen vom Schwarzwald. Im Süden schließen sich an die E. Gn. sehr stark gepreßte Gesteine an (,Zone der Sericitgneise"), die zum großen Teil aus umgewandelten E. Gn. bestehen. Der Innertkirchener Granit, der westlich vom Wendenjoch die E. Gn. ablöst, ist ein typischer Granitit mit normaler Ausscheidungsfolge, der weder zum Erstfelder Eruptivgneis noch zum Zentralgranit Beziehungen aufweist, vielmehr dem Gasterengranit und jedenfalls auch den Graniten des Schwarzwalds gleichzustellen ist. Sehr weit verbreitet in ihm sind Scholleneinschlüsse; die Marmorlinsen der Äußeren Urweid sind nicht abgequetschte Teile des Pfaffenkopfkeils, sondern große vom Granit umflossene Schollen. Der I. Gr. zeigt an der Grimselstraße sehr schön entwickelte Quetschzonen, in denen die Umwandlung des Granits zu gneisähnlichen Gesteinen, schließlich zu feinplattigem Sericitschiefer in allen Stadien zu verfolgen ist. Das Carbon des Wendenjochs ist jünger als die E. Gn. und jedenfalls älter als der I. Gr.; wahrscheinlich ist es dem Untercarbon des südlichen Schwarzwalds gleichzustellen. ...