Original paper

Über einen Graniteinschluß im Pechstein von Garsebach bei Meißen und über Entwässerungsvorgänge in diesem Gestein

Beck, Richard

Kurzfassung

Auf einer Exkursion mit Studierenden im Frühjahr 1912 fand ich in dem großen Pechsteinbruche nahe der Walkmühle bei Garsebach ein von den Steinbrechern beiseite gelegtes sogenanntes ,Wildes Ei", dessen eine Hälfte abgeschlagen war, so daß man einen völligen Längsschnitt vor sich hatte. Es darf hier vorausgesetzt werden, daß die Steinbrecher im Triebischtale, wie das O. Stutzer in seiner Mitteilung in der Deutschen Geologischen Gesellschaft vom Jahre 1910 erwähnt hat, unter dieser Benennung kugelige oder ellipsoidische Massen verstehen, die in sehr auffälliger Weise inmitten des Pechsteins angetroffen werden. Diese zuweilen mehrere Meter im Durchmesser erreichenden Gebilde bestehen, wie bei Stutzer eingehend beschrieben ist, aus einem felsitähnlichen Gestein. Das damals von mir aufgefundene ,Wilde Ei" unterschied sich von den übrigen im Bruche vorhandenen sehr auffällig dadurch, daß es in seiner Mitte einen scharfkantigen Einschluß von einem glimmerarmen oder nahezu glimmerfreien mittelkörnigen Granit enthielt. Um diesen Granit herum sieht man, wie die hier wiedergegebene photographische Aufnahme erkennen läßt, eine Zone von felsitähnlichem Gestein entwickelt, die nach außen hin ziemlich scharf gegen den umgebenden Pechstein absetzt. Der größte Durchmesser des ganzen knollenförmigen Blockes betrug 1/2 m, der größte Durchmesser des Graniteinschlusses 0,35 m. Der peripherische Teil bestand aus dem normalen lichtgraugrünen Pechstein. Ich vermutete nun zunächst, daß vielleicht hier in der felsitähnlichen Masse um den Graniteinschluß herum ein primäres Gebilde vorläge und, falls sich dies feststellen ließ, damit zugleich ein Beweis gefunden sei, daß auch die übrigen ,Wilden Eier" primäre Gebilde, sozusagen ,intratellurische Konkretionen" in dem Pechsteinmagma sein möchten. Die Untersuchung hat jedoch diese Vermutung nicht bestätigt, wie aus dem folgenden hervorgehen wird. ...