Original paper

Gerölltonschiefer im Untersilur Thüringens.

Zimmermann, E.

Kurzfassung

Den Namen Gerölltonschiefer (als Abkürzung für gerollführenden Tonschiefer) hat 1893 Kalkowsky in einer Arbeit über culmische konglomeratische Gesteine der Gegend von Lehesten - Stockheim aufgestellt, um damit den bedeutenden Anteil darin befindlichen feinen und feinsten klastischen Materials neben dem gröberen, groben und sehr groben zum Ausdruck zu bringen. Doch kann ich die Menge und Bedeutung dieses Anteils nicht für hoch genug ansehen, um für das Hauptgestein des Originalfundorts und für seine von mir bei der Spezialkartierung des Blattes Lehesten eingehend verfolgte Fortsetzung den Namen Gerölltonschiefer annehmen zu können; auch nach seinem Äußeren und dem Mangel an Schiefrigkeit ist es kein ,Tonschiefer", sondern eine sehr geröllreiche Grauwacke oder ein Konglomerat; nur sehr untergeordnet treten dort wirkliche Tonschiefer mit Geröllen auf. Dagegen findet sich im oberen Teile des Untersilurs ein richtiger Tonschiefer (derjenige, für den Gümbel den Namen Lederschiefer nach seiner Verwitterungsfarbe aufgestellt hat), der in einigen Gegenden, so z. B. bei Gefell und Saalburg, besonders aber zwischen Saalfeld, Ludwigstadt und Gräfental, vereinzelte Gerölle führt und darum als geröllführender Tonschiefer oder Gerölltonschiefer bezeichnet werden kann. Freilich ist auch an den reichsten Stellen die Zahl der Gerölle so gering, daß man in guten Aufschlüssen auf 10, ja auf 50 m Entfernung erst einmal eines findet. Der in Frage stehende Schiefer zeichnet sich vor den sonstigen thüringischen Tonschiefern durch ungewöhnlich grobes Korn, das im Dünnschliff oft schon mit bloßem Auge zahlreiche Sandkörner erkennen läßt, und einen großen Reichtum an - schon ohne weiteres sichtbaren, im Sonnenlicht glitzernden - weißen Glimmerblättchen aus, die nicht auf einzelnen Schichtflächen gehäuft, sondern ziemlich gleichmäßig durch die ganze Masse verteilt sind und meist parallel zueinander liegen; deutliche Schichtung ist kaum je, schiefrige, wenn auch unebene, Spaltbarkeit dagegen überall sehr gut ausgebildet. Die geröllführenden Partien weichen hiervon in keiner Weise ab, nur daß sie eben als Seltenheit einmal ein Geröll führen.