Original paper

Über einige Pliocän-Fossilien vom Niederrhein

Menzel

Kurzfassung

Aus der dem Diluvium unmittelbar voraufgehenden jüngsten Stufe des Tertiärs, dem Pliocän, kennen wir aus dem mittleren Europa noch verhältnismäßig wenige Fossilien, insbesondere wenige Binnenmollusken, die uns ein Bild von der Zusammensetzung und der Verbreitung derselben in jener Zeit geben können. Deshalb ist jeder neue Fund von pliocänen Fossilien, insonderheit von solchen aus dem jüngeren Pliocän, von Interesse. Durch einige Kollegen erhielt ich aus pliocänen Schichten der Gegend des Niederrheins sowie des benachbarten Hollands einige kleine Faunen zur Bestimmung zugestellt. 1. Gemert: Schon vor Jahren hatte mir Herr Distriktsgeologe Dr. P. Tesch in Nymwegen aus einer Bohrung 1 km Östlich von Gemert einige Süßwasser-Conchylien übersandt, deren Bestimmung nicht unerhebliche Schwierigkeiten machte. Diese Bohrung wies folgendes Profil auf: 0 - 3,30 jung-diluvialer Sand, - 12 Hauptterrassenschotter, - 17,60 Ton, - 27,70 mittelkörniger Sand mit einigen kleinen Geröllen, - 37 Ton. Bei 32 m Süßwasser-Conchylien and Früchte (= Vitis vinifera L.), darunter folgten marine Pliocän-Bildungen. In der bei 32 m gefundenen kleinen Fauna, die schon von Tesch als pliocän angesprochen worden war, ließen sich folgende Arten erkennen (Eine vorläufige Bestimmung führte schon Tesch in seiner Arbeit ,Over Pleistoceen en Plioceen in den Nederlandschen Boden (II), Tijdschrift van het Kon. Nederlandsch Aardrijkskundig Genootschap, 2. Ser. Bd. Xxviii, 1911 an): 1. Bythinia sp. Eine spezifische Bestimmung ist nicht weiter durchzuführen. 2. Vivipara gracilis Lörenthey. Die Stücke aus der Bohrung Gemert stimmen nicht ganz mit den mir von Herrn Professor Lörenthey freundlichst zur Verfügung gestellten Vergleichsexemplaren überein, insbesondere fehlt den holländischen Stücken die starke Abplattung der ungarischen und auch etwas die Verdickung der Schale an der Naht. Immerhin ist die Übereinstimmung bei diesen variablen Formen so groß, daß man die holländischen Stücke unbedenklich in die nächste Verwandtschaft der Vivipara gracilis stellen kann. Das Lager der letzteren findet sich in den oberpannonischen Schichten der Gegend des Plattensees in Ungarn. (Tafel, Fig. 1 u. 2)