Original paper

Die Schlammführung des Yangtse

Keilhack, K.

Kurzfassung

Der nördliche Teil des ostchinesischen Meeres wird als Gelbes Meer bezeichnet, nach den ungeheuren Massen gelben schlammigen Wassers, die die beiden Riesenströme, der Hwangho und der Yangtse, in dieses Meer hineinbefördern. Da es an Untersuchungen über die Menge sowie über die mechanische und chemische Zusammensetzung dieses Schlamms völlig zu fehlen scheint, anderseits diese Flüsse aber zu den größten der Erde gehören, so sind vielleicht einige Beobachtungen darüber, die ich während einer Reise im September 1913 machen konnte, nicht ohne Interesse. Sie beziehen sich sämtlich auf den Yangtse, den ich bei einem Wasserstand befuhr, der nur um 1 m hinter dem durch prachtvolle Hochwassermarken an den Felsufern gut bezeichneten höchsten Wasserständen zurückblieb. Der Strom hatte in dieser Zeit im Mündungsgebiet bei Wusung eine Tiefe von 12-14 m, bei Nanking, 400 km stromaufwärts, eine solche von 40 m und bei Hankau, 1100 km oberhalb der Mündung, eine Tiefe von 100 m. Einem Kenner des Stroms, dem Lotsen Herrn Kley, der den Yangtse seit über 20 Jahren befährt und über das Flußprofil sowie über die Strömungsgeschwindigkeit genau orientiert ist, verdanke ich für die genannten Punkte Zahlen für Breite, Tiefe und Strömungsgeschwindigkeit, die eine annähernde Bestimmung der Wasserführung zur Zeit des höchsten Wasserstands ermöglichen. Danach kann in dem ganzen Unterlauf von Hankau an stromabwärts die Wassermenge kaum geringer sein als 100 000 cbm in der Sekunde. Und da die Hochwasserperiode 4 bis 5 Monate anhält, so darf man den mittleren Wassergehalt wohl zu 50 000 cbm in der Sekunde, veranschlagen. Um von dieser ungeheuren Wassermenge eine Vorstellung zu geben, erwähne ich, daß der Wasserbedarf Groß-Berlins und seiner 3 Millionen Einwohner 3,5 cbm in der Sekunde beträgt, oder mit andern Worten, daß der Jahresbedarf Groß-Berlins an Wasser vom Yangtse in 36 Minuten gedeckt werden könnte. Die Farbe des Yangtse-Wassers ist typisch lehmgelb. Geschöpfte Proben zeigen noch nach 24 stündigem Stehen keine völlige Klärung. In dem Absatz lassen sich Sandkörner mit dem Gefühl nicht erkennen. ...